© Benjamin Benscheider

Alles fließt? Ja, aber es verschmilzt auch. Vor allem bei der Swimmingpool-Planung. Denn die Badeoasen werden in der Architektur immer öfter zum integralen Bestandteil des Wohnens und verbinden dabei Außen- und Innenbereiche.

07 . Mai 2020 - By Manfred Gram

Das gegenwärtig wertvollste Gemälde eines lebenden Künstlers ist 90,3 Millionen Dollar wert. Es stammt vom britischen Kunstsuperstar David Hockney, wurde Anfang der 1970er gemalt und heißt »Porträt eines Künstlers – Pool mit zwei Figuren«. Hockney malte ausgesprochen gerne Swimmingpools und hat das prototypische Bild, das man sich von Pools so macht, maßgeblich geprägt und weitergetragen. Ein Pool ist im kollektiven Gedächtnis vorwiegend rechteckig, vor allem aber blau und riecht nach Chlor. Davon entfernt man sich aber sukzessive. Denn ein eigener Pool ist und war immer auch mehr. Er ist Symbol für Lebenslust, Hedonismus und Freiheit. Oder – wenn man noch eines draufsetzen möchte – die Möglichkeit, die Urgewalt des Elements Wasser zu zähmen. Im besten Falle so, dass Wasser und Architektur Hand in Hand gehen, um zu einem Ganzen zu verschmelzen. 

© Schran Images

Reflexionen

Ein großartiges Beispiel, wie so etwas aussehen könnte, demonstriert das Architekturbüro
Lacime Architects aus Shanghai. Es hat in der chinesischen Millionenmetropole Suzhou das Shimao Longyin Leisure Center umgesetzt. Zentral dabei sind die dunklen Reflexionspools, die elegant das Licht brechen und die Architektur der Gebäude mit ihren Stein-, Metall- und Glasfassaden spiegeln. So wird das Freizeitzentrum zu einer zeitgemäßen Hommage an die berühmten klassischen Gärten von Suzhou, die als Meisterwerke der botanischen Künste gelten und zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Nebenbei werden in diesem Gebäudekomplex Außen- und Innenbereiche zu einer harmonischen Einheit. 

»Ein harmonisches Zusammenspiel aus Wasser und Wellness, Outdoor- und Wohnbereich erfreut sich bei unseren Kunden immer größerer Beliebtheit«, erzählt auch Lukas Poinstingl von der Poolmanufaktur Leidenfrost und ergänzt: »Mit einem Poolbau steht man vor einer  kompletten Neuanlage seiner Gartensituation – und die sollte wohlüberlegt sein.«

Das B House von Architrend Architecture stellt unter Beweis, dass die Gesetze der Harmonie für alle Outdoorbereiche gelten. Das italienische Studio hat auf Malta, unweit der Hauptstadt Valletta, ein historisches Gebäude renoviert und auf der Dachterrasse einen Glaspool integriert. Ein cleverer Schachzug, denn so strömt nicht nur natürliches Licht ins Innere des Hauses, sondern man genießt beim Schwimmen im gläsernen Becken auch einen fantastischen Ausblick über die Stadt. 

Neue Natürlichkeit

Eigene Swimmingpools, egal ob im Garten oder auf der Dachterrasse, scheinen tiefe Bedürfnisse und Sehnsüchte zu stillen. Der Pool ist dabei mehr als ein Statussymbol und mittlerweile zu einer Art Oase und Ruhepol avanciert. Und zu einem sicheren Rückzugsort, vor allem in Zeiten der Corona-Krise. Auf die Größe kommt es dabei nicht mehr unbedingt an. »Wir haben beobachtet, dass die Pool- und Wasserflächen kleiner werden«, erzählt der preisgekrönte Architekt Juri Troy. »Das hat aber auch mit den Grundstücksgrößen zu tun. Oft will man auch bei wenig Platz nicht auf eine kleine Wasser-fläche verzichten und errichtet dann eben Mini-Pools mit einer Gegenstromanlage.« Großzügiger konnte Juri Troy allerdings bei der Planung des L-Hauses in Purkersdorf vorgehen. Man entschied sich hier, einen Naturpool mit zwei verschiedenen Wassertiefen anzulegen. Eine optimale Lösung, denn: »Die Bauherren wünschten sich eine Wasserfläche, die auch im Winter nicht leer steht«, so Troy. Jedenfalls bilden hier Pool, Terrasse und Garten eine fein aufeinander abgestimmte Einheit. 

Fließende Übergänge

Feintuning ist vor allem auch dann angebracht, wenn Pools die Grenzen zwischen In- und Outdoor verschwimmen lassen. Und dies kann auf höchst unterschiedliche Weise geschehen. Der deutsche Architekt Alexis Dornier, der seit gut sieben Jahren vor allem auf Bali Projekte umsetzt, zeigt mit dem Butterfly House, wie man ein halbrundes Becken anlegt, das großzügig um und ins Haus führt. Und auch das amerikanische Architekturbüro Garret Cord Werner kleckert in dieser Hinsicht nicht. In Seattle, direkt am Lake Washington, wurde ein Projekt ganz im Zeichen des Wassers konzipiert und umgesetzt. Dabei sieht man nicht nur auf den See, sondern hat in die Architektur ein Sportbecken, einen Jacuzzi und ein kleines Reflexionsbecken im Foyer integriert, wodurch die Wohnbereiche gleichermaßen getrennt und verbunden werden.

Swimmingpools und wie sie mittlerweile in der Architektur eingesetzt werden, all das hat sich gewandelt. Eckiges wurde rund, was früher abgetrennt und draußen war, hat sich Wohnraum erobert. Wäre nur noch interessant zu wissen, wie David Hockney das heute malen würde. 

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LIVING Nr. 03/2020

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