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Die Must-Visits auf der Biennale 2022 in Venedig

Die 59. Biennale in Venedig startet heute unter dem Motto »The Milk of Dreams« und steht ganz im Zeichen der Pandemie und des russischen Krieges gegen die Ukraine. LIVING war bereits vor der offiziellen Eröffnung vor Ort und verrät Ihnen, welche Ausstellungen dieses Jahr sehenswert sind.

21 . April 2022 - By Angelika Rosam

Endlich ist es für Kunstschaffende und Biennale-Liebhaber wieder so weit: coronabedingt um ein Jahr verschoben, öffnet die 59. Kunstbiennale in Venedig heute abermals ihre Pforten. Die Organisation war dennoch kein leichtes Unterfangen, weiß die Biennale-Kuratorin Cecilia Alemani letzte Woche zu berichten. Weitgehend wurde der Ablauf inklusive der Einladungen der Künstlerinnen und Künstler aus ihrem New Yorker Büro arrangiert und auf Reihe gebracht – die Kunstbiennale selbst stehe aufgrund der aktuellen Situation im Zeichen der Pandemie und des russischen Krieges gegen die Ukraine.

Bis zum 27. November dürfen nun unter dem Ausstellungs-Motto »The Milk of Dreams« mehr als 1.500 Arbeiten von 213 Künstlerinnen und Künstlern aus insgesamt 58 Ländern bewundert werden. Dabei sind 80 Länder mit ihren eigenen Pavillons als essenzieller Teil der Ausstellung in den wunderbaren »Giardini« untergebracht und jedes Land einen Besuch wert.

Der Titel »The Milk of Dreams« stammt von einem Buch von Leonora Carrington (1917–2011), in dem die surrealistische Künstlerin eine magische Welt beschreibt, in der das Leben durch das Prisma der Vorstellungskraft ständig neu wahrgenommen wird. Es ist eine Welt, in der sich jeder verändern, transformieren, etwas oder jemand anderes werden kann. – Cecilia Alemani, Kuratorin der Biennale 2022

Auch abseits der Biennale steht Venedig ganz im Zeichen der Kunst. So hatte man bereits am 18. April, noch vor der offiziellen Eröffnung, in den beiden Hallen des Oficine 800 auf der Insel Giudecca zu einer eindrucksvollen Veranstaltung geladen, bei der auch LIVING zu Gast war. Dort präsentierte der Wiener Unternehmer Helmut Essl gemeinsam mit der New Yorker Kunstgallery PACE vor einer exklusiven Runde bei Kerzenlicht und stimmungsvoll gedeckten Tafeln die interessante 20. Malaktion von Hermann Nitsch.

LIVING-Herausgeberin Angelika Rosam mit dem Künstler Gottfried Helnwein beim Galadinner von Helmut Essl und der Kunstgallery PACE in den Hallen des Oficine 800 auf der Insel Giudecca.

© Angelika Rosam

Doch die gelungene Ausstellungs-Premiere sollte schicksalshaft enden. Denn während man das Leben des österreichischen Star-Künstlers zelebrierte, verstarb dieser traurigerweise noch in derselben Nacht. Freunde und Kenner der Szene trauern um den großen Maler, sind berührt und bewegt, so auch die Besucher, die still und andächtig in den letzten Tagen und Stunden seine weltberühmten Schüttbilder auf den langen Leinwänden in der Ausstellung bestaunten.

Mit Nitsch ging nicht nur einer der letzten großen Visionäre aus der Kunstwelt, sondern auch ein Mann, der laut Kurator und Nitsch-Experte Roman Grabner »einen einzigartigen Kosmos geschaffen hat, eine Kulturcollage, die Religionen und Mythen übereinanderlegt und damit alle Künste miteinander verschmelzen lässt. Es handelt sich um ein wahres Gesamtkunstwerk, das die Zeiten überdauern wird.«

Laut Angaben der Veranstalter geht es bei dieser Ausstellung um die einzigen Werke einer Malaktion, die in einer Sammlung vereint sind und in ihrer Gesamtheit gezeigt werden können. Diese befindet sich nun im Besitz Helmut Essls und ist bis 20. Juli im Oficine zu begutachten.

Der Wiener Unternehmer Helmut Essl präsentierte schon vor der offiziellen Eröffnung der 59. Biennale gemeinsam mit der New Yorker Kunstgallery PACE die beeindruckende 20. Malaktion von Hermann Nitsch, bei der 52 einzigartige Werke entstanden sind.

© Carreon Lopez / Il Giornale Dell'Arte

Ab heute wird man sich nun in den »Giardini«, in der ehemaligen Schiffswerft »Arsenale« und in den facettenreichen Ausstellungsräumen beeindruckender Palazzi der Lagunenstadt ganz der Kunst widmen. Die LIVING-Redaktion hat ausgewählte Tipps für Ihre Biennale-Bucket-Liste.

Anish Kapoor

Beginnen wir mit einem echten Enfant Terrible der Szene, Anish Kapoor. Dem Briten, dessen Werke selten unter die Kategorie »leichte Kost« fallen, wird in diesem Jahr die Ehre zuteil, gleich zwei Ausstellungen in Eigenregie abhalten zu dürfen. Die Erste befindet sich in der Gallerie dell’Accademia, in welcher der Künstler als erster Brite ausstellen darf. Die Zweite erstreckt sich entlang des Kanals unweit des im 18. Jahrhundert erbauten Palazzo Manfrin, der schon heute Teil der Anish Kapoor Stiftung ist, und mit abgeschlossener Restauration auch deren Hauptsitz werden soll.

Einer der in die gleiche Kerbe schlägt, wie der verstorbene Nitsch: Die Kunst von Anish Kapoor trifft ins Mark und lässt nur wenige Betrachter unberührt.

© David Levene

Arsenale

Libanon

Der Libanon ist vom Krieg und dem nicht enden wollenden Chaos gezeichnet, und so auch die Ausstellung der Künster-Duos Danielle Arbids und Ayman Baalbaki. Nach einer fünfjährigen Abwesenheit des Libanon bei der Biennale, kehrt das Land nun in die Ausstellungsräume des Arsenale zurück, und zeigt neben dem Split-Screen-Video »Allô Chérie«, das ein mysteriöse Verfolgungsjagd durch Beirut erzählt, auch große Installationen, wie beispielsweise das »Janus Gate«, das ebenfalls symbolisch für die Konflikte im Nahen Osten steht.

Projektion, Kunst, Installation© LVAA

Island

Bei der vergangenen Biennale im Jahr 2019 war der Pavilion von Island das reinste Farbenmeer aus bunten Stoffvorhängen, die an Intensität stark an indische Holi-Feste erinnerte. In diesem Jahr geht es etwas mystischer zu, aber deshalb nicht weniger eindrucksvoll. Mit »Perpetual Motion« haben Sigurdur Gudjonsson und der Musiker ​​Valgeir Sigurðsson zusammengefunden und auf poetische Art und Weise Materialität und Musik erforscht. So ist ein Raum entstanden, der die Wahrnehmungsgrenzen herausfordert, aktiviert und ein fast meditatives Erlebnis erzeugt.

Giardini

Österreich

Gemeinsam mit der Kuratorin Karola Kraus bespielt in diesem Jahr das Künstler-Duo Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Schirl den österreichischen Pavilion. Mit dem Titel »Invitation of the Soft Machine and Her Angry Body Parts« nehmen uns die Beiden in den Chic der 1970er-Jahren mit und schlagen dabei eine Brücke zwischen den Krisen von damals und heute: »Utopien, Dystopien, Bürgerrechtsbewegungen«, aber auch die Erdölkrise seien aktueller denn je, gaben Knebl und Schirl in einem Interview zu bedenken.

USA

Die amerikanische Künstlerin Simone Leigh ist die erste weibliche schwarze Künstlerin, die den Pavillon der USA gestaltet. In ihrer Arbeit beschäftigt sich Leigh mit der Repräsentation weiblicher Körper, speziell von Afro-Amerikanerinner, aber auch mit generellen Fragen wie Geschlecht, Rasse, Lohnarbeit, Geschichte und Monumenten. Die übergroßen Skulpturen »Jug« und »Anonymous«, sowie die sieben Meter große Bronzestatue »Sentinel«, setzen eindrucksvolle Akzente.

Korea

50 Meter in der Länge misst das Ungetüm »Chroma V« des Künstlers Yunchul Kim, das sich durch die Luft des koreanischen Pavilions schlängelt. Dabei ist das Dinosaurier-ähnliche Konstrukt nur eines von insgesamt fünf größeren kinetischen Installationen. Die Ausstellungsobjekte basieren auf der musikalischen Herkunft des Künstlers, für den Tanz, Rhythmik und Bewegung ein zentrales Thema seiner Arbeit darstellen. Er kombiniert Technologisches mit Mythischem und lässt Algorithmen beispielsweise Lichtelemente steuern, die seinen Geräten fast schon Leben einzuhauchen scheinen.

Belgien

Was Kinder so manches Mal an nervenzehrenden Tönen von sich geben, ist schwer auszuhalten. In Kunstausstellungen jedenfalls erst recht, aber im belgischen Pavilion steht genau das im Vordergrund. Der gebürtige Berlgier und in Mexiko lebende Künstler Francis Alÿs nimmt die Besucher mit in seine und andere Kindheiten, zeigt uns Kurzfilme spielender Kinder, die von Schneckenwettkämpfen, über Drachensteigen in Afghanistan, bis hin zur Moskitojagd in der Demokratischen Republik Kongo reichen. Trotz der Unterschiedlichkeit der Schauorte wird klar, dass es etwas Universales gibt, was uns Menschen verbindet: der unschuldige Spaß am Spiel.

 

Kind, Drachen, Wüste, Lehmhaus© Francis Alÿs

Sonstiges

Peggy Guggenheim Collection

»Surrealism and Magic: Enchanted Modernity« ist eine Kollaboration zwischen der Peggy Guggenheim Collection und dem Museum Barberini. Gezeigt werden über 60 Werke surrealistischer Künstlerinnen und Künstler, wie etwa Victor Brauner, Leonora Carrington, Salvador Dalí, Giorgio de Chirico, Max Ernst, Leonor Fini, René Magritte, Dorothea Tanning und viele mehr. Rund 40 Museen weltweit haben die Werke zusammengetragen und bereitgestellt. Eine einmalige Chance, tief in den »poetischen und zutiefst philosophischen Diskurs« der frühen Surrealisten einzutauchen.

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