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Die besten Pop-up-Hotels: Natur & Design im Einklang

Früher tat es ein Zelt oder ein Wohnwagen. Heute kann man dafür auch eine Unterkunft buchen und das Gleiche erleben, nur exklusiver.

09 . Juni 2017 - By Uwe Killing

Aus der Ferne leuchtet es wie eine Fata Morgana. Für eine Beduinenoase wirkt es jedoch zu futuristisch. Wenn man näher herantritt, fühlt man sich versetzt in ein Ambiente, das eher an eine Forscherstation erinnert. Die Uyuni-Wüste in Bolivien bietet Besuchern ein geradezu surreal anmutendes Naturschauspiel. Hier, inmitten der größten Salzseen der Welt und vor dem Panorama der schnee-befleckten Gipfel des Andengebirges, ist eine kleine Zeltsiedlung errichtet worden. Wer einzieht, gehört zu einem erlesenen Kreis von maximal sechs Personen. Denn er hat bei dem US-Reiseanbieter Black Tomato eine Exkursion zu dem weiß und blau glitzernden Ort gebucht. Die steht in keinem Katalog. Und das nach individueller Absprache mit allem Luxus ausgestattete Basislager wird später einfach wieder verschwinden.

Es ist eine Unterkunft auf Zeit, die mit 177.000 US-Dollar für vier Nächte seinen Preis hat. Doch dafür gibt es ein »Erlebnis, das Sie mit niemand anderem teilen müssen«, wirbt Black Tomato auf seiner Website weltweit um Kunden. Die »Blink«-Camps sind eine gesteigerte Variante des Glampings, des glamourösen Zeltens. Ob in Bolivien, in der afrikanischen Steppe oder zwischen den Gletschern von Island: Man kann aus diversen Destinationen auswählen und die Gestaltung seines Pop-up-Hotels selbst vorgeben: Material, Zeltform, Aufteilung, Extras. Dann machen sich die Designer an die Umsetzung. 

Woher kommt der Trend?

Temporäre Hotels müssen nicht so luxuriös sein. Das »Blink«-Konzept ist die Zuspitzung einer Entwicklung, die die gesamte Reisebranche erfasst hat. Denn mehr Privatheit und das intensivere Erleben und gleichzeitige Schonen der Natur wünschen sich immer mehr Menschen, wenn sie in einer vermessenen, globalisierten Welt unterwegs sind. Die Betonburgen des Massentourismus sind Geschmacksgleichmacher wie Landschafts­zerstörer. Und auch Nobel-Herbergen können sich einander gleichen wie Louis-Vuitton-Taschen. All das fördert den Wunsch nach individuellem Urlaub. Das Dach überm Kopf? Es darf einfach sein. Der Moment zählt, nicht der austauschbare Komfort. Die Sternekate­gorie liegt alleine im Auge des Bewohners. 

Idee am Strand  

Eines der ersten Pop-up-Hotels wurde im Jahr 2011 am Papaya Playa im mexikanischen Tulum errichtet. Ein Deutscher war auf die Idee gekommen, den bei Hippies und Hipstern beliebten Strand zu einem Testgebiet zu machen. Claus Sendlinger, Chef von Design Hotels, einem weltweiten Verbund von Boutique- und Designhotels, hatte sich von den aufkommenden Pop-up-Shops inspirieren lassen: »Für manche Leute mag das Konzept des ›Wieder-Verschwindens‹ das Gegenteil eines erfolgreichen Geschäftsmodells sein, das auf Stammkunden und Markenloyalität basiert. Doch Pop-up-Kunden suchen nicht nach Beständigkeit, sondern nach Einzigartigkeit.«Zunächst sechs Monate geöffnet, bildeten die 85 »Cabanas« ein Pop-up-Camp mit Rezeption und Bars. Sendlinger spricht von einem »Gypsy-Gefühl«, wichtig ist ihm, dass ausschließlich lokale Produkte verwendet wer­- den und erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Das Konzept kam so gut an, dass das Camp in sich ständig wandelnder Form bis heute weiterbesteht. Und es wurde zum Vorbild vieler weiterer Projekte.

»Pop-up-Kunden sind nicht auf der Suche nach Beständigkeit,
sondern wollen das Einzigartige.«
Claus Sendlinger CEO Design Hotels

Die Bandbreite ist groß: von einfachen Hütten und Zelten über Container-Module bis hin zu Gebäuden, die auf kleinstem Raum Architekten und Designer animieren. Denn parallel zur Entwicklung der Pop-up-Hotels wächst auch die Zahl der modernen Nomaden, die das Leben in temporären Häusern bevorzugen. Allen gemeinsam ist die Sehnsucht nach maximalem Wohlbefin­den bei minimalem Eingriff in die Natur.

Aus dem Living Magazin 03/2017.

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