© Joao Guimaraes, Heusch. Architecture

Ein nasses Rechteck in der Wiese – ist das alles, was ein Pool kann? Natürlich nicht! Wasser lässt sich schließlich in freie und elegante Formen gießen, also weg mit dem Lineal! Wir zeigen die Pools mit den schönsten Kurven.

11 . Juni 2019 - By Maik Novotny

Schwimmen oder baden? Das kann eine Frage der Tageslaune sein, aber wenn es um Pools geht, ist es eine Grundsatzfrage. Denn warum eigentlich sind die meisten Pools eckig wie mit dem Lineal gezogen, obwohl dort keine Schwimmwettkämpfe veranstaltet werden und – Hand aufs Herz – auch nicht täglich trainiert wird? Das Wasser selbst lässt sich in jede Form fassen, also warum so rechtwinklig?

Manche wagen den Sprung in die Freiheit – Anregungen dazu gibt es genug. Picaos »Badende« waren Inspiration für die schwungvolle Geometrie eines Hauses auf den Klippen nahe Sydney. In sanften Übergängen fließen die Räume ineinander. Klar, dass auch der Pool hier Teil der perfekten Komposition wird. Er schmiegt sich zwischen Terrassen, Hangkante und Abgrund und zeichnet den Schwung der Wellen und des Geländes nach. Der Schwung der Topografie war es auch, der Pate bei der Rundumerneuerung einer Villa aus den 60er-Jahren am Mulholland Drive in Los Angeles stand. Das Haus machte nur wenig aus dem spektakulären Blick auf die Metropole, also öffneten die Architekten den Wohnraum mit einer breiten Glasfront und fassten die große Terrasse mit einem Infinity-Pool ein, der nicht nur der Landschaft folgt, sondern auch beim Schwimmen ein cinematisches Panorama-Erlebnis bietet. »Wir haben die Wasserkante so geplant, dass sie fließend in den Fernblick auf Downtown übergeht,« erklären die Architekten. Das Lineal blieb dabei vom Zeichentisch verbannt.

»Wir haben die Wasserkante so geplant, dass sie fließend in den Fernblick auf Downtown übergeht.« Heusch. Architecture Los Angeles

Kein Fernblick, dafür öffnet sich einem der Reiz in unmittelbarer Nähe, badet man im Pool der Casa Xólotl im mexikanischen Mérida. Das bestehende Gebäude war in baufälligem Zustand und wurde mit neuen Zubauten ergänzt – die alten Mauern blieben jedoch wie Skulpturen im Hof stehen und werden
umspielt von einem organisch geformten Pool, der Alt und Neu harmonisch verbindet und in den heißen mexikanischen Sommern für Kühlung sorgt.

Richtig skulptural wird es, wenn der Pool sich samt seiner Umfassung vom Boden erhebt. So geschehen bei einem Haus in Lissabon, das wie eine Hommage an den Beton-Brutalismus der 60er-Jahre daherkommt: rau und sinnlich. Als Perle mittendrin: der Pool, als runde Schüssel auf die Dachterrasse gestellt. Extra-Clou: Seine Unterseite zeichnet sich als Auswölbung in der Decke des Wohnzimmers darunter ab. Ein lustvolles Spiel mit konvexen und kon­kaven Formen des Wassers, das den harten Beton zur Weichheit verleitet.

Perfekter Kreis

Im Norden Portugals griffen die Architekten bei der Planung des Pools ebenfalls zum Zirkel, aber mit ganz anderem Resultat: eine freistehende weiße Villa, dahinter im Garten ein steinernes Quadrat, mit einem Pool, der als perfekter Kreis genau im Zentrum platziert ist, wie einem kosmischen Gesetz folgend. So klar und einfach, dass er keine Fragen offen lässt. »Das Haus ist eher alt als modern. Der Pool ist, was er ist«, so die lakonische Erklärung des Architekten Guilherme Machado Vaz. Man sieht: Nicht nur Picassos freier Pinselschwung, sondern auch abstrakte Kunst kann das Wasser in Form bringen. Ein kleiner Wermutstropfen nur für Österreicher: »In unseren Breitengraden sind organische Pools aus technischen und klimatischen Gründen leider nur schwer realisierbar,« wie Johann Poin-stingl von der Poolmanufaktur Leidenfrost erklärt. Bleibt immer noch die Badefreude im Urlaub.

LIVING Nr. 02/2019

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LIVING Nr. 02/2019

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