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Die beeindruckendsten britischen Landhäuser

Meer, Natur und schmucke Städte: Der Süden Englands hat viel zu bieten. Die jüngste Preis­entwicklung im Zuge der Brexit-Diskussion trägt dazu bei, dass das Interesse von Käufern an edlen Landhäusern steigt.

24 . April 2019 - By Robert Prazak

England und Immobilien? Da denken wir doch zuerst mal an London mit seinen tollen Projekten und wahn­witzigen Preisen. Doch wer sich außerhalb der Metropole umsieht, findet derzeit tolle Gelegenheiten, in außergewöhnliche Objekte zu investieren – vor allem im Süden des Landes. Und jetzt ist die beste Zeit dafür, denn das britische Pfund rasselt in den Keller, die Währung war Anfang des Jahres auf dem tiefsten Stand seit rund 20 Jahren. Der Grund ist klar: Der drohende Brexit und die politischen Zerwürfnisse rund um den EU-Austritt machen Wirtschaft und Politik zu schaffen. Das hat Auswirkungen auf den Markt. Bobby Hall ist Experte des Immobiliendienstleisters The Buying Solution, der zu Knight Frank gehört: »Sogar die Top-Kate­gorie in London hat wegen der Ungewissheit rund um den Brexit Preisdämpfer erhalten, dazu kommen hohe Steuerabgaben.« Diese Entwicklung in Kombination mit dem nie­drigen Pfund sollten Käufer aus Europa jetzt nutzen, meint Hall – und weist im Besonderen auf den Süden des Landes hin, etwa auf die Region rund um Winchester und Chichester.

»Sogar die Top-Kategorie in London hat wegen der Ungewissheit rund um den Brexit Preisdämpfer erhalten.« Bobby Hall Partner, The Buying Solution

Das Angebot an interessanten Objekten ist scheinbar groß, bei genauerer Betrachtung trennt sich aber bald die Spreu vom Weizen: Die Kombination aus idealem Standort, Haus mit moderner Einrichtung und guter Infrastruktur ist dann doch nicht so leicht zu finden. Viele der angebotenen Häuser sind renovierungsbedürftig, was nicht nur eine Frage der Finanzen, sondern auch des Zeitaufwands ist. Vor allem die alten Landhäuser sind begehrt, doch ihr Zustand entspricht nicht immer den Wünschen der Käufer. Im Gegensatz zu Mitteleuropa werden auch relativ selten bereits renovierte Häuser angeboten, oft überlassen es die Käufer den neuen Eigentümern, die Immobilie zu erneuern.

Zurück zum Brexit: Die Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Lage Englands hat auch im Süden des Landes zu einer gedämpften Nachfrage geführt. Makler berichten gegenüber LIVING, dass sich der Verkauf von Häusern in der Region – sogar in begehrten Städten wie Torquay oder Bognor Regnis – überraschend lange hinziehen kann. Derzeit agieren nämlich nicht nur die Engländer selbst verhalten, sondern auch Käufer aus dem Ausland wollen lieber noch abwarten. Schließlich zählt auch die abseh­bare Wertentwicklung zu den wichtigsten Kriterien eines Immobilienkaufs. Wer sich allerdings in ein schönes Landhaus an der Küste verliebt, denwerden solche schnöden Argumente ohnedies nicht aufhalten können …

Worauf Käufer achten sollten

Verkehrsanbindung: Entlang der Hauptverkehrsrouten von London nach Süden sind die Preise höher, dafür ist man rascher in der Hauptstadt oder am Flughafen. Nicht aus allen Regionen ist die Zugverbindung gut.

Nachfrage: In begehrten Städten wie Torquay oder Margate sind Immobilien dem allgemeinen Trend zum Trotz rasch vergeben – da kommt es zu Preiskämpfen unter den Interessenten. Makler berichten von Verkaufspreisen bis zu 20 Prozent über dem eigentlichen Angebot. 

Küste: Wer Meer will, muss dafür etwas höhere Preise in Kauf nehmen. Nicht vergessen, dass es außerhalb der Sommermonate an der Küste stürmisch und ungemütlich werden kann.

Regionalkunde

Welche Gegenden im Süden Englands sind bei Käufern vom Festland begehrt? Ein wichtiges Kriterium ist die gute Erreichbarkeit von London bzw. von den Londoner Flughäfen aus – Gatwick liegt für Fahrten in Richtung Süden günstiger als Heathrow. Prinzipiell bietet die gesamte Küste im Südosten zwischen Dover und Portsmouth schöne Städte und Dörfer. Bekannt sind Orte wie Brighton, das im Sommer allerdings recht überlaufen ist. Ein Geheimtipp ist der South Downs National Park bei Portsmouth mit der schönen Stadt Chichester – dort haben viele Londoner ihr Wochenend-Domizil aufgeschlagen. Für Bobby Hall, Experte von Buying Solutions, ist Winchester derzeit der Hotspot im Süden: »Es ist ein wichtiger Knotenpunkt von London zur Küste hinunter, außerdem mit Zügen von Waterloo in gut einer Stunde zu erreichen.« Das wirkt sich auf die Preise aus, die im Gegensatz zu jenen in anderen Städten in der Region seit 2016 um rund zehn Prozent gestiegen sind. »Winchester bietet derzeit gute Investmentmöglichkeiten«, meint Hall. Weiter im Westen lockt die Englische Riviera mit Orten wie Torquay (Geburtsstadt von Agatha Christie!) und einem überraschend milden Klima. Hier fühlt man sich wie am Mittelmeer, was auch an den Immobilien-preisen sichtbar wird. Ein Minuspunkt ist
die etwas umständlichere Anreise, außerdem ist die Auswahl an Projekten mit guter Qualität überschaubar.  

LIVING Nr. 01/2019

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