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Designers to watch: Seung-Yong Song und Jonas Stokke

Zwei etablierte Jungdesigner, geografisch weit voneinander entfernt, vereint die Liebe zur Reduktion und die Freude am Brechen von Erwartungen.

30 . Oktober 2017 - By Manfred Gram

Zwischenwelten

Der Südkoreaner Seung-Yong Song versucht mit seinen Arbeiten immer wieder einen Brückenschlag zwischen Ost und West. Das gelingt dem 39-Jährigen auch, schließlich ist er in beiden Welten zu Hause. Einerseits lebt und arbeitet Song in der Nähe von Seoul und führt dort sein erfolgreiches Label SY Design. Andererseits hat er in Frankreich studiert. Songs Kreationen selbst bewegen sich ebenfalls zwischen den Welten und sind dort zu Hause, wo die Grenzen zwischen Funktionalitätsmöbel, Objektkunst und Installation verschwimmen. Das sorgt mitunter für Aberwitz, wenn Schaukelstühle auch Wäscheständer sind, Lampen zu Beistelltischchen werden oder die Rückenlehne eines Stuhls zum Bücherregal mutiert. Der Südkoreaner beherrscht aber auch die leisen und subtilen Töne, etwa wenn er mit Materialien zu spielen beginnt. Das Harmonisieren echter Gegensätze wie Leichtigkeit und Schwere oder die Kombination von Glattem mit Rauem sind dem kreativen Kulturwandler ein sichtbares Anliegen, das er mit verspieltem Esprit und Witz umsetzt. 

Ideen-Symbiose

Kommt die Sprache auf skandinavisches ­Design, denkt man nicht unbedingt zuerst an Norwegen. Das ändert sich aber gerade, denn im Schatten der Dänen und Schweden drängen die norwegischen Design-Underdogs mit spannenden Produktwelten in den Fokus. Kaum verwunderlich also, dass der diesjährige ­Salone del Mobile in Mailand den Norwegern einen eigenen Programmpunkt widmete. Mit dabei war der Designer Jonas Stokke. Der 39-Jährige ist in Skandinavien kein unbeschriebenes Blatt. Gemeinsam mit Øystein Austad führte er in Oslo ein erfoglreiches Design Studio. Man heimste ­Preise ein und arbeitete für Kunden wie Vitra, Muuto, Cisco oder Tupperware. Seit Kurzem werkt Stokke aber alleine und zeigt – so seine Philosophie – keine branchenbedingten Berührungsängste. Ob Elektronik, Wohnaccessoires, ­Möbel oder ­Installationen – Stokke demonstriert unbeschwerte Vielseitigkeit. Prämisse seines Schaffens ist es vor allem, dass Design und Handwerkskunst eine ­perfekte Symbiose bilden. Ein Aspekt, der Stokke zufolge oft viel zu kurz kommt.

LIVING Nr. 04/2017

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LIVING Nr. 04/2017

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