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Designers to watch: Hanne Willmann und Samuel Amoia

Zwei Jungtalente – eines aus Berlin und eines aus New York – hauchen Formen und Oberflächen neues Leben ein.

04 . Juli 2017 - By Manfred Gram

Umkehrschlüsse

Nicht selten ist es ein durchschlagender Erfolg, wenn man Dinge nicht nur anders denkt, sondern einfach auf den Kopf stellt. Hanne Willmann, zur Zeit eines der gefeiertsten deutschen Design-Talente, hat dies etwa mit ihrer »Willmann Vase« für Menu eindrucksvoll bewiesen. Dass Beton immer wieder als Sockel bei Leuchten, Möbeln oder Gläsern auftaucht, hat man schon oft gesehen und zurecht für gut empfunden.

Hanne Willmann

Hanne Willmann: Die gefeierte deutsche Jungdesignerin (30) gibt Alltagsprodukten wie  Vasen, Lampen oder Böden den letzten Schliff. Arbeiten für Menu oder Studio Aisslinger zeigen ihre beeindruckende Range. hannewillmann.com

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Die deutsche Produktdesignerin, die von Berlin aus operiert und vom A&W Magazine zum »Design ­Talent of the Year 2015« gekürt wurde, lässt Vasen eine neue Sprache sprechen. Oben Beton, im unteren Drittel filigranes, durchsichtiges Glas – so vereint man gekonnt Widersprüchliches und zeigt, dass Unzerstörbarkeit mit Zerbrechlichkeit Hand in Hand gehen kann. Ihr Designstil ist durchaus geprägt von skandinavischem Minimalismus. Klare Formensprache mit geometrischen Grundformen trifft auf reduzierte Farben und natürliche Materialien. Das hindert Willmann aber nicht daran, mit gro­ßer Experimentierfreude ans Werk zu gehen. Sei es, wenn die 30-Jährige mit ihrem Boxspringbett »Someday« zeigt, wie man elegant Schlaftrends abspeckt, oder wenn sie sich ans Neu- und Umdefinieren von Bodenbelägen macht und etwa Böden mit austauschbaren Fugenelementen umsetzt. Damit auch etwas so Statisches wie ein Boden variabel bleibt und sich neuen Bedürfnissen anpasst. 

»Ich präferiere die Vielseitigkeit der Anforderungen. Und die Freiheit und Flexibilität meiner Arbeit. Das passt alles sehr gut.«

Vasen, unter anderem die für Menu kreierte »Willmann Vase« in der Mitte.

Vasen, unter anderem die für Menu kreierte »Willmann Vase« in der Mitte.

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Meister des Rauen

Einen ungewöhnlichen Lebenslauf kann der 34-jährige Designer Samuel Amoia vorweisen. In seinen späten Teenagerjahren und frühen Zwanzigern arbeitete der New Yorker als Katalog-Model und wollte eigentlich in der Hotelbranche Fuß fassen. 

Samuel Amoia:

Samuel Amoia: Der 34-Jährige legte eine ungewöhnliche Karriere hin. Vom Model zum Jungdesigner, der durch unkonventionelle Sichtweisen auf Materialien begeistert. Gemeinsam mit seinem Bruder Dominic betreibt er in New York sein eigenes Studio. samuelamoia.com

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In Manhattan managte er das »The Top Of The Standard«, merkte aber schnell, dass er ein besseres Gespür für Design als für Geschäftsführung hatte. Zum Glück 
traf Amoia dort den Interior-Designstar Stephen Sills, der ihm einen Job vermittelte und bei 
seinen ersten Schritten in der Kreativbranche unterstützte. Das war vor acht Jahren – und die Karriere nahm langsam Fahrt auf. Es ist vor allem die Kombination ungewöhnlicher Materialien wie Salz, Sand, Kaffee oder gar Zement, mit denen Amoia schnell für Furore sorgte. Interior am Schnittpunkt zwischen Skulpturkunst und Design fällt eben auf. Logisch also, dass Amoia seinen Durchbruch auf der Art Basel in Miami feierte, als ein Mitglied der Entourage von Stella McCartney über einen von ihm gestalteten Beistelltisch, der aus Salz gemacht war, stolperte. Für die Design-Ikone sollte er dann auch gleich einen ganzen Shop gestalten. Rückblickend fasst Amoia seinen Erfolg mit gewitzter Lakonie zusammen: »Ich vermute, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.« Für den Jungdesigner läuft jedenfalls alles glatt, sein avantgardistisch anmutendes Skulptur­mobiliar wird allerorts bejubelt. Davon zeugen Stammkunden wie Calvin Klein, Dior oder die DeLorenzo Gallery in New York.

»Ich liebe Materialien mit Oberflächenstruktur. Zudem mag ich klare Linien genauso wie geometrische Formen.«

Konsole aus Kupfer und Onyx, Beistelltisch aus schwarzem Turmalin und Hocker aus Gips und Bronze.

Konsole aus Kupfer und Onyx, Beistelltisch aus schwarzem Turmalin und Hocker aus Gips und Bronze. 

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Aus dem Living Magazin 03/2017. 

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