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Design-Klassiker, die in neuen Farben und Materialien ein Comeback feiern

Wie viele Bereiche durchläuft auch die Interior-Branche zahlreiche Trends. Was heute in ist, kann morgen bereits out sein. Ein wahrer Design-Klassiker bleibt aber zeitlos schön und besticht durch seine unkonventionelle Form, Farbe und Material. Einige dieser unvergänglichen Stücke erhalten dennoch eine Auffrischung und erleben durch die Neu-Auflage ein fulminantes Revival.

04 . März 2021

»Camaleonda«

1969 machte sich in Mailand ein 34 Jahre alter Designer namens Mario Bellini daran, ein Sofa zu entwerfen, das in der Interior-Welt zu einem bahnbrechenden It-Piece werden sollte. Frisch, verrückt, gemütlich und die perfekte Widerspiegelung der Siebzigerjahre. »Camaleonda« heißt das Wunderding, das damals und auch heute für größtmögliche Freiheit und Verwandlung steht. Seit mittlerweile fünfzig Jahren stellt B&B Italia »Camaleonda« her und hält es seither treu im Sortiment. Zum 50-Jubiläum legte der italienische Hersteller gemeinsam mit Designer Mario Bellini den Klassiker neu auf. An der Modularität der Couch hat sich im Gegensatz zu der Weiterentwicklung der Materialien und Farbgebung nichts geändert, die einzelnen Teile können weiterhin ganz nach Belieben miteinander verbunden und angeordnet werden. Bei der Auswahl des Stoffes gibt es nun aber (fast) keine Grenzen mehr. Sechzehn Farben, Orange und Violett - die Lieblinge der 70er inklusive, stehen zur Auswahl. Zudem kann das »Camaleonda« auch in Leder bezogen werden.

Freischwinger-Stuhl

Der Stuhl auf zwei Beinen ist eine der großen Erfindungen der Stuhlgeschichte. Mart Stam stellte 1926 als erster ein «hinterbeinloses» Stuhlmodell vor. Dieser experimentelle Prototyp bestand aus Gasrohren, die mit Muffen verbunden waren. Erst Mies van der Rohe und Marcel Breuer nutzten bei ihren Folgemodellen die elastischen Eigenschaften von Stahlrohr und brachten ihre Kragstühle zum «schwingen» – das ist der typische Freischwinger-Effekt, der sich einstellt, wenn sich ein Stuhl beim Hinsetzen federnd leicht absenkt. 1929 wurde auch der Stam-Kragstuhl zum Schwingen gebracht und der neue Stuhltypus wurde zur Verkörperung der «Neuen Sachlichkeit». In den 1930er-Jahren fügte Alvar Aalto den Stahlrohrfreischwingern seine Holzvarianten hinzu und Gerrit Rietveld entwickelte eine eigene Variante des hinterbeinlosen Stuhls. Erst 1956 stellte Verner Panton mit dem S-Stuhl wieder einen Holzfreischwinger vor. Dieser baute nicht auf der Kufenidee der Freischwinger der 1920er-Jahre auf, sondern war eine Weiterentwicklung des Zigzag-Stuhlprinzips. Doch für Verner Panton war der S-Stuhl ein Ausflug auf dem Weg zu einer viel größeren Idee, die ihn seit Jahren beschäftigte: der Freischwinger aus Kunststoff - und kam 1963 in Basel mit Willi und Rolf Fehlbaum von Vitra ins Gespräch. Seither wird der Stuhl von Vitra hergestellt. 

Danach ruhte die Idee des Freischwingers aus Kunststoff, bis Konstantin Grcic 2006 das Thema mit dem Myto Chair wieder aufnahm. Anders als bei klassischen Freischwingern setzen hier die zwei Beine nicht an der vorderen Sitzkante, sondern mittig an, was naturgemäß die Schwingbewegung einschränkt. Nun hat Jasper Morrison für Vitra mit dem EVO-C die nächste Generation des Freischwingers entwickelt. Ein Stuhl in Kunststoff, der die federnden Eigenschaften von Stahlrohr übertrifft, auch durch die größere Flexibilität der Rückenlehne bietet. Zusätzliche Bewegungsfreiheit und einen angenehmen Kontakt mit dem Sitzenden schaffen die großzügigen Flächen. So bietet der Stuhl einen besonders ergonomischen Komfort. 

Sofa »Vilhelm«

Das Sofa »Vilhelm« wurde bereits 1935 von dem dänischen Architekten Flemming Lassen entworfen – jetzt wirft es sich in ein neues Gewand und gewinnt mit seinem neuen Look auch gleich den »German Design Award«. In zartem Rosa fügt sich das Sofa mühelos in moderne Interieurs ein, durch seine runden Enden lässt sich das Sofa formschön in der Mitte des Raumes platzieren. Alle Entwürfe Lassens sind besonders für damalige Verhältnisse einzigartig und innovativ, er gilt als Vordenker seiner Zeit.

»Flowerpot«-Leuchte

Die in den späten 1960er Jahren von Verner Panton entworfene »Flowerpot«-Leuchte darf in unserer Aufzählung definitiv nicht fehlen. Die Lampe war zu ihrer Entstehungszeit ein Synonym für die Flower-Power-Bewegung und sollte eine offenere, modernere Mentalität symbolisieren, die Frieden und Harmonie fördert. Eine Denkweise, die auch wunderbar in die Jetzt-Zeit passt. Die »Flowerpot«-Lampe macht aber nicht nur als Hängeleuchte eine gute Figur. Die Design-Ikone ist als Steh- und Tischlampe erhältlich. Früher war sie nur in knalligen Farben zu haben, dank des Comebacks gibt es den Klassiker nun auch in trendigen Pastell- und Metallic-Tönen.

Servierwagen 901

Der »Servierwagen 901« ist ein Entwurf des finnischen Designers Alvar Aalto, der sich hierbei, zusammen mit seiner Frau Aino Aalto, von der britischen Teekultur inspirieren liess. Hella Jongerius interpretierte den »Servierwagen 901« in Zusammenarbeit mit Artek neu. Dabei überarbeiteten sie die archivierten Entwürfe und modernisierten den Alvar Aaltos Klassiker mit neuen Farben.

Multi-Lite

Nicht enden wollende Lichteffekte erzielt man mit der Leuchte »Multi-Lite« von Gubi. Die ausziehbare Hängelampe spendet je nach Modus entweder indirekte Beleuchtung oder direktes Licht und lässt sich so an beliebigen Orten einsetzen. Zwei zylindrische Formen bilden das Fundament der Leuchte, ein Metallring umschließt sie und verankert die beiden viertelkugelförmigen Schirme, die letztlich das Bild des Klassikers mit mehreren Zwecken vervollständigen. Das innovative Design stammt von Luis Weisdorf, der in den 1970er Jahren den ersten Entwurf der ikonischen Lampe zeichnete – und mit dieser Kreation seiner Leidenschaft für vielfältiges Design Ausdruck verlieh. Heute ist der Lampenschirm übrigens in zahlreichen Ausführungen und Farben erhältlich.

»EM77«-Isolierkanne

1977 entwarf Erik Magnussen die berühmte »EM77«-Isolierkanne. Durch die innovative Formgebung, das schlanke Design und den genialen Kippdeckel ist der Klassiker heute noch so beliebt wie bei seiner Vorstellung. Umweltschonend ist die Kanne noch dazu: Alle Teile sind austauschbar, so ist ein langes Leben der Isolierkanne garantiert. Die »EM 77«-Isolierkanne wird immer noch in Dänemark hergestellt. Mittlerweile gibt es die Kanne in verschiedensten Farben. Demnächst erhältlich: eine Variante in monochrome Mattschwarz.

Egg™-Chair

Als absolutes Meisterwerk des dänischen Designs gilt der »Egg™«-Chair von Arne Jacobsen. Angeblich wurde die ovale Form mit ihren weichen Rundungen in langwieriger Handarbeit von dem Designer höchstpersönlich in seiner Garage geschaffen. Durch das fortwährende Experimentieren mit Gips und Draht entstand schließlich die perfekte Form des Sessels, der heutzutage mit unterschiedlichen Stoffen in mehreren Farben bezogen wird.

Barcelona Couch

Die im Jahr 1930 von Ludwig Mies van der Rohe designte »Barcelona« Couch ist seit ihrem ersten Entwurf ein heiß geliebter Klassiker. Die schlichte Eleganz und klare Formgebung des Daybeds lassen es zeitlos und gleichzeitig modern wirken, Bezüge aus feinstem Leder und ein Gerüst aus afrikanischem Mahagoniholz machen das Interior-Stück zum hochwertigen Luxus-Piece. Dass sich eine Investition lohnt, beweisen die zahlreichen Neuauflagen der Liege, die in regelmäßigen Abständen in frischer Aufmachung aufwarten.

 

Gräshoppa-Leuchte

Seit mittlerweile 74 Jahren spendet die »Gräshoppa«-Leuchte ideales Leselicht. Designt wurde sie von Greta Magnusson Grossmann. Ihre spezielle Form macht die Stehlampe so besonders: durch den zurückgebogenen, auf drei schmalen Füßen stehenden Korpus und den vorgereckten Lampenschirm erinnert die Leuchte auf den ersten Blick an eine lauernde Gottesanbeterin, die auf ihre Beute wartet. Die schwedische Innenarchitektin Greta Grossmann war eine der wenigen weiblichen Designerinnen, die sich in den 50er Jahren in der Architekturszene durchsetzen konnten. Heute wird ihr Entwurf der Gräshoppa-Leuchte immer noch gefeiert und ist mittlerweile in diversen Farben erhältlich.

 

CH24-Wishbone-Chair

Ein Midcentury-Designpiece, das sich immer noch größter Beliebtheit erfreut, ist der »CH24 Wishbone« Chair des dänischen Architekten und Möbeldesigner Hans J. Wegner für Carl Hansen & Son. Der Stuhl zählt bis heute wohl zu seinen bekanntesten Stücken. Die schlichte Anmutung lässt dabei kaum erahnen, dass zur Herstellung 100 Einzelschritte nötig sind. Allein die handgeflochtene Sitzfläche besteht aus 120 Metern Papierkordel, die von Carl Hansen & Søn verarbeitet wird. Neben den klassischen Designs in Eiche oder Buche gibt es den Stuhl jetzt auch in einer Limited Edition mit einem Hochglanzlack in fünf verschiedenen Farben.

Plumy

Auch die 1980er Jahre erleben ein Comeback, das sich sehen lassen kann. Der von Annie Hieronymus designte Loungesessel »Plumy« wurde von Ligne Roset reeditiert und hat ein äußerst erfrischendes Makeover verpasst bekommen. Da der Sessel zu den Vollschaumsitzmöbeln zählt, ist er in punkto Gemütlichkeit und Sitzkomfort schwer zu toppen. Zusätzlich verfügt das multifunktionale Piece auch noch über aufklappbare Sitzkissen, wodurch zusammen mit dem zugehörigen Hocker auch eine Liegeposition eingenommen werden kann. Mit knalligen Farben und neuen Bezugsstoffen wurde die Stilikone erfolgreich wiederbelebt.

Trio-Sofa

Die 1970er Jahre waren scheinbar die Zeit der funktionalen Ideen, die kreative Köpfe wie das Schweizer Team Form AG in die Tat umgesetzt haben. Ein besonders gutes Beispiel für die schicken Designs der 70er ist das »Trio«-Sofa, dem COR ein farbliches Upgrade verpasste. Die Rückenlehnen der knalligen Couch können flexibel versetzt werden, auch die Farben sind kombinierbar. Der Klassiker wird durch sein cleveres Design auch in kürzester Zeit ein Doppelbett. Und die neuen frischen Farben verleihen dem einstigen Entwurf von Form AG noch einen zusätzlichen Coolness-Faktor.

Fox Chair

Der »Fox Chair« von Viggo Boesen ist ein Entwurf aus den 1930er Jahren. 2014 wurde der einseitge Klassiker von Sika Design wieder aufgelegt. Der Architekt Vigo Boesen entwickelte in seinem Atelier zahlreiche Rattanmöbel und arbeitete unter anderem mit Finn Juhl zusammen. Sein Credo war, dass Möbel sich organisch dem Körper anpassen, dabei aber gleichzeitig solide und robust sein sollten und dem Auge des Betrachters Freude bringen. Die Neuauflage in der Outdoor-Variante besteht aus einem wetterbeständigen Aluminiumrahmen (auch Alurattan genannt) und Artfibre-Kunststoff.

Billy

Ein Designpiece, das an die Ära des Industrial Style erinnert, ist die »Billy«-Leuchte von Kalmar. Die schlichte, moderne Lampe wurde von der Londoner Designerin Ilse Crawford redesignt – allerdings war Crawford besonders darauf bedacht, das ursprüngliche Design von Kalmar Werkstätten beizubehalten und der Lampe nur durch die Verwendung neuer, spannender Materialen und Farben ein aktuelles Gesicht zu verleihen. Die Lampe gibt es sowohl als Steh-,Tisch- und Wandleuchte, verschiedene Holzarten, Lackierungen und Schirmfarben bieten ein breites Spektrum für Mix&Match-Fans.

PH Artichoke

Die »PH Artichoke« ist ein klassisches Meisterstück, das der dänische Designer Poul Henningsen 1958 für ein Restaurant in Kopenhagen namens Langelinie Pavilion entwarf. Dabei sorgen die außergewöhnliche Form und Gestaltung der Pendelleuchte für ein vollkommen blendfreies Licht. Der Grund dafür sind die 72 positionierten Blättern, die an eine Artischocke erinnern und der Leuchte den Namen gaben. Bekannt ist sie vor allem in der ursprünglichen Ausführung in Kupfer. Im Laufe der Zeit wurden Modelle aus mattem und glänzendem Edelstahl sowie Messing und Weißmetall hinzugefügt. Seit letztem Jahr gibt es den Klassiker nun auch mit einem mattschwarzen Finish.

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