© Vitra

Der Eames Chair feiert sein 70-jähriges Jubiläum. Doch was macht einen Klassiker eigentlich zum Klassiker? LIVING hat sich auf Spurensuche nach Basel in die Vitra-Design-Schmiede begeben.

30 . April 2019 - By Sonja Boric

Kaum eine andere Marke hat es geschafft, so viele Design-Alltimer unter ihrem Dach zu beherbergen wie das Schweizer Design-Kollektiv Vitra. Die Marke vertreibt mitunter die ikonischen Entwürfe von Jean Prouvé, Verner Panton, George Nelson, Jasper Morrison, Alexander Girard und Nicholas Grimshaw. Am stärksten wurde der Werdegang der Marke aber durch die Zusammenarbeit mit Charles und Ray Eames geprägt. Während eines Spaziergangs durch New York entdeckte Vitra-Gründer Willi Fehlbaum zufällig den Eames-Chair in einem Schaufenster und war so angetan von dem innovativen Design, dass er umgehend Kontakt zu dem Design-Ehepaar Charles und Ray Eames aufnahm, um den Stuhl auf dem europäischen Markt einzuführen. – Der Beginn einer lebenslangen Design-Liebesgeschichte.

Die Legende lebt

Das ikonische und zeitlose Look des Stuhls lässt bis heute die Herzen aller Interior-Liebhaber höherschlagen. Doch warum begeistert der Eames-Entwurf bis heute?

»Charles sagte immer, Design dürfe nicht zu persönlich sein, weil sich im allzu Persönlichen die Eitelkeit des Gestalters manifestiert. Da gebe ich ihm recht, ein Produkt muss für sich selber stehen, es muss praktisch sein und nicht zu sehr ein Zeichen seiner Zeit. Wenn etwas durch und durch funktionell ist, dann ist es auch schön, dann wird es gebraucht und bleibt nützlich – ähnlich wie ein Werkzeug. Es muss eine größere Idee dahinterstehen. Dann hat ein Entwurf die Chance, ein wahrhafter Klassiker zu werden«, erklärt Vitra-Familienoberhaupt Rolf Fehlbaum bei einer privaten Führung durch die heiligen Hallen des berühmten Vitra-Archivs. Dort kann man Gussschalen, Erstentwürfe und natürlich den Eames Chair im Wandel der Zeit entdecken. »Design darf nicht stillstehen, es muss mit der Zeit gehen, in den 50ern war der Einsatz von Fiberglas für einen Alltagsgegenstand revolutionär. Doch in den 90ern war die Produktionstechnik überholt und nicht umweltbewusst. Der Stuhl wurde seitdem ausschließlich in Polypropylen produziert. Es hat rund 20 Jahre gedauert, den Produktionsprozess von Fiberglas upzudaten. Ich glaube, Charles und Ray Eames wären zufrieden mit dem Wissen, dass wir nie aufhören zu entwickeln und ihre Entwürfe zu optimieren«, zeigt sich Vitra-Chef Fehlbaum zufrieden.

LIVING Nr. 02/2019

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LIVING Nr. 02/2019

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