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Bonjour Pauline! Die Enkelin der einstigen Stil-Ikone Hélène Rochas lebt als Parfümeurin das Talent ihrer Großmutter weiter und hat als neuen Lebensmittelpunkt ihre Zelte in Wien aufgeschlagen. In LIVING zeigt sie exklusiv ihren ganz privaten Wohnstil – eine Ausdrucksform französischer Lässigkeit.

28 . September 2018 - By Angelika Rosam

Wien ist Imperial Grandeur. Eine echte Schönheit!« Pauline Rochas wirft ihre blonde Mähne in den Nacken, nippt an ihrem Morgen-Espresso in der modern gestylten Küche und gerät ins Schwärmen, wenn sie über ihr neu gewähltes Zuhause spricht. »Ich liebe Wien für seine Gelassenheit und die ruhige Atmosphäre. Wien präsentiert noch immer das Savoir-faire echter Handwerkskunst und seine Traditionen. Genauso, wie es meine Großmutter immer getan hat.« 

»Ich liebe Wien für seine Gelassenheit. Es präsentiert noch immer das Savoir-faire echter Handwerkskunst und seine Traditionen. Es ist Imperial Grandeur. Eine echte Schönheit.« Pauline Rochas über ihre Affinität zu Wien

Pauline Rochas testet neue Essenzen für ihre Parfum-Linie. Infos unter: paulinerochas.com

Pauline Rochas testet neue Essenzen für ihre Parfum-Linie. Infos unter: paulinerochas.com

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Der Enkelin der einstigen französischen Parfum-Ikone Hélène Rochas ist das Talent stilsicherer, zeitloser Zurückhaltung fraglos in die Wiege gelegt. Wie aus einem gehobenen Interieur-Bildband präsentiert sich LIVING das Beletage-Appartement im 4. Bezirk. Imperial strahlt der perfekt renovierte Stuck von den hohen Decken, das Morgenlicht durchflutet die großzügigen Räume. Man kombiniert Alt und Neu – mit viel Geschmack und Einfühlungsvermögen. Ein graues Minotti-Sofa als Eyecatcher, ein Coffeetable von Maxalto als perfekt inszeniertes Accessoire im Livingroom. Cassina hat sich ebenso verewigt wie weiteres Top-Interieur von David Weeks, Molteni oder Knoll. Dazwischen Contemporary Art von Joseph Glasco sowie eine spannende Zeichnung von Martin Tardy. Und ein alter klassischer Kamin, der
Cosiness versprüht. Wow! »Ich liebe Gegensätze, die sich aufgrund ihrer Makellosigkeit anziehen und ineinander verschmelzen. Das Appartement ist alt, aber ich habe es modern und minimalistisch eingerichtet. Dieser Mix ergibt die perfekte Symbiose im Raum.« 

Dass sich die 42-jährige gebürtige Französin tatsächlich in Wien niederlassen würde, war ­so nicht geplant. Mehr ein Zufall, den ihr das Glück in die Hand spielte. »Ich war zu einem Businessmeeting nach Wien gekommen. Freunde von mir hatten mir dieses Palais im 4. Bezirk gezeigt, als es gerade umgebaut wurde. Ich verliebte mich sofort in die Beletage, konnte mich noch mit meinen eigenen Ideen in den Umbau miteinbringen und zog wenige Monate später ein. Es war ein echter Glücksfall.«

Mit den Genen der Großmutter

Euphorisch ordnet sie ihre Duft-Flacons. Pauline Rochas ist Parfümeurin, genauso wie ihre Großmutter, die 2011 verstarb und zu der sie ein besonderes, inniges Verhältnis pflegte. »Ich hatte als Kind immer nur zwei Wünsche: fotografieren und Düfte kreieren«, erzählt sie und lächelt dabei charmant. Die Großmutter war es auch, die der Enkelin ihre erste Kamera schenkte und ein Ticket nach New York, um im Beauty-Universum Fuß zu fassen. Eigens geshootete Kampagnen für Estée Lauder oder L’Oréal sollten den ersten Duft des Erfolgs versprühen, der bis heute geblieben ist: »Ich bin wirklich dankbar, dass ich meine größte Passion leben kann, exklusive Parfüms zu kreieren.« 

Vor vier Jahren hat Rochas in New York ihre nach wie vor aktive Parfum-Company Coolife gegründet und ihren ersten Unisex-Duft »Le Premier Parfum« aus der Taufe gehoben. Sechs weitere Düfte kamen hinzu, heute wird die »The Seven Collection« von Pauline Rochas, die die sieben Hauptchakren des Menschen stimulieren und den Fluss der Lebensenergie fördern soll, bereits in vielen Ländern erfolgreich verkauft. Von Wien aus will man jetzt expandieren, weitere Standbeine aufbauen und Kooperationen eingehen. Eine österreichische Stadt also als neuer Mittelpunkt im Leben der Französin. Es schien irgendwie sogar, als wäre es vorbestimmt gewesen: »Jetzt habe ich realisiert, dass mich Wien schon in meiner Kindheit unbewusst beeinflusst hat«, reminisziert Rochas, »Klimts schlafende Danaë‹ in meinem Schlafzimmer, Bücher von Freud und Zweig auf meinem Nachttisch, meine Mutter, die gerne ein Dirndl trug, The Sound of Music‹ – Sie werden es nicht glauben: mein Lieblingsfilm – und meine Großmutter, die gerne und oft die Salzburger Festspiele besuchte.«

»Ich mag Gegensätze, die sich ob ihrer Makellosigkeit anziehen und ineinander verschmelzen. Mein Appartement ist alt, aber ich habe es modern und reduziert eingerichtet.« Pauline Rochas über Einrichtung

Wieder lässt die Französin ihre Augen über ihr Interieur schweifen. Sie fühlt sich wohl in dem charmant renovierten Altbau, dessen Einrichtung viel über ihre Persönlichkeit verrät. »Richtig! Weniger ist für mich mehr. Ich liebe den Minimalismus in Form von reduzierten Farben und guten Materia­lien. Klare Linien stehen für mich für Zeit­losigkeit, die ein Altbau-Appartement richtig leben lässt.« 

Es ist die Reduktion auf das Wesentliche, die Pauline Rochas auch in ihrem Schaffen beflügelt. Die Schönheit der Natur, die Einfachheit, hochqualitative Materialien und Substanzen, Erlebnisse und Erinnerungen. »›Gedanken sind die Seele des Parfums‹, hat George Sand einmal geschrieben. Das sehe ich genauso. Erinnerungen an Reisen, Erlebnisse mit Menschen und die Kindheit – all das setzt sich in meinen Gedanken fest, um nach einer gewissen Zeit in meinen Produkten verarbeitet zu werden.«

Zurück zu den Wurzeln

Das Handy klingelt. Pauline Rochas ignoriert es, konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. Sie ist Businessfrau und lebt es auch. Heute Wien, morgen Paris, übermorgen New York. Dazwischen Termine für Duftpräsentationen. Der ­Esprit für das Geschäft wurde von der zielorientierten Großmutter fraglos an die Enkelin weitergegeben. »Ja, ich bin ehrgeizig«, gibt sie zu. »Ich liebe Herausforderungen, und ich brauche ein geordnetes Leben.«

Auch zu Hause. Unglaublich organisiert ist es hier, jedes Teil hat seinen Platz. Unvorstellbar eine Kindertruppe, die sich mit schokobeschmierten Händen den Weg durch die allgegenwärtige Wohntraum-Ästhetik bahnt. Die Tischvogellampe von François-Xavier Lalanne hat es Rochas besonders angetan. Ein Lieblingsstück und ein unverzichtbares Objekt in ihrem Leben – ebenso wie die aufgeschlage­-nen Bildbände, die ihre Großmutter in voller Pracht präsentieren. Grand-mère Hélène ist allgegenwärtig – ihre Persönlichkeit, ihre Kraft, ihr damaliger Stil und ihre Eleganz, ­die Pauline Rochas zutiefst bewundert.
In ihrer frühen Jugend, sagt sie, habe sie es allerdings gehasst, auf die Enkelin der berühmten Hélène reduziert zu werden. Darum New York, einfach weg von den Wurzeln, die eigene Identität finden. Heute ist die einstige Rebellin sanft geworden und hat zu sich gefunden. »Ich bin meiner Großmutter für vieles dankbar. Sie hat mich an ihrem Leben teilhaben lassen wie eine Erwachsene, und sie hat immer an mich geglaubt. Sie hat mich stets darin bestärkt, den Namen Rochas mit Stolz zu tragen. Dank ihres Esprits bin ich so, wie ich bin.«

LIVING Nr. 04/2018

Erschienen in:

LIVING Nr. 04/2018

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