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Mit bloßer »Fassadenarchitektur« fangen Julia und Max Kneussl nicht viel an. Ihre Liebe zu schönen und funktionalen Dingen leben sie privat und setzen sie in ihrer Firma CROWND Estates auch beruflich um. Nach herausragenden Wohnprojekten folgt nun das erste Hotel.

22 . Dezember 2020 - By Heimo Rollett

LIVING: In Ihrer Wohnung finden sich viele Parallelen zu Immobilienprojekten Ihres Unternehmens. Ist das so etwas wie ein Showroom?
Julia Kneussl: Nein, gar nicht. Unsere Wohnung ist eigentlich sehr privat. Sie ist aber tatsächlich Prototyp für unsere hochpreisigen Immobilienprojekte, die wir im Altbau realisieren. Wir haben hier etliche Materialien, Hersteller und Handwerker getestet. Jeder Beschlag wurde eigens gegossen, die Kastenfenster detailgetreu restauriert und, wo notwendig, nachgebaut. Der zentrale Holzkubus zoniert den offenen Wohnbereich – auf der einen Seite Garderobe, mittig ist der Abgang in den Keller versteckt, und zum Wohnbereich hin befindet sich das Home-office, das – wenn ungenutzt – einfach durch ein Faltelement weggeschaltet werden kann.
Max Kneussl: Zonierungen von Wohn-bereichen werden ohnehin immer wichtiger.
Es macht keinen Sinn mehr, klassisch und starr eine Wohnung durch ihre Zimmer-anzahl zu bewerten, sondern man muss die Möglichkeiten an Funktionen betrachten und so ihre Qualität bewerten. So besteht nach wie vor die Nachfrage nach offenen, großzügigen Wohn-Ess-Kochbereichen. Sie sollten aber flexibel schaltbar sein. Diese fertigen Lösungen bieten wir in unseren Projekten an, in denen Immobilien und das Interior verschmelzen.

Wie zum Beispiel?
Julia Kneussl: Es ist nicht immer notwendig, eine langweilige Trockenbauwand einzuziehen – da konzipieren wir lieber von Anfang an raumbildende Möbel mit, wir planen sie und bieten sie unseren Kunden an. So wird zusätzlich meist wertvoller Stauraum geschaffen, und tolle Oberflächen werten die Wohnung auf. Bei jedem unserer Projekte arbeiten wir hierfür mit tollen Partnern zusammen, wie beispielsweise Steininger Designers oder Josef Göbel.

Welche Architekten oder Designer begeistern Sie?
Julia Kneussl: 
Wir lieben alte Gegenstände, die bereits eine Geschichte erzählen – diese zu neuem Leben zu erwecken, ist unsere Leidenschaft. Das beginnt bei den tollen Wiener Zinshäusern, die wir entwickeln dürfen, und endet bei Möbeln, die wir häufig auf Dach­böden alter Häuser entdecken und liebevoll sanieren, und die den Blickfang in jedem Raum bilden, ihn besonders machen. Daher sind wir auch so unheimlich dankbar, dass wir in Wien, in einer Stadt mit so toller Substanz, leben und arbeiten können. Sich auf einen Designer festzulegen, wäre mir zu langweilig.
Max Kneussl: Ich war immer schon ein großer Bewunderer von Sir David Chipperfield. Er ist so detailverliebt wie wir. Chipperfield verbindet innen und außen, er macht keine Schöne-Fassaden-Architektur, sondern denkt vor allem an die Funktion im Inneren. Da geht es um Fragen wie: Was sieht man in der Früh, wenn man seinen ersten Kaffee trinkt? Deshalb freuen wir uns auch so, dass wir ihn als Architekten für unsere Stadtvillen in Hietzing gewinnen konnten. Er ist einer der wenigen Menschen, die uns schüchtern machen.

Die Projekte von CROWND Estates fallen auch durch innovatives Marketing auf. ­
Woher kommt die Inspiration dafür? 
Max Kneussl: 
Wir lieben die Welt, und wir schauen uns gerne schöne Dinge an. Normalerweise – ohne Corona – sind wir als Familie zwölf Wochen im Jahr unterwegs, genießen gute Architektur, entdecken neue Hotels, erfreuen uns an der Ästhetik moderner und alter Villen. Bei uns ist das immer eine Mischung aus Urlaub und Recherche­reise. Unser Leben ist ganz und gar Architektur, Design und Immobilien. Wir können stundenlang durch Wien spazieren und uns über die unglaublich tollen Altbauten freuen, da sagen die Kinder dann schon: »Jetzt haben wir aber wieder genug Häuser gesehen.«
Julia Kneussl: Außerdem ist CROWND ja recht interdisziplinär aufgestellt – wir sind kein Bauträger, der ein Projekt ausschließlich technisch abwickelt. Jedes Projekt erzählt seine eigene Geschichte, und diese wollen wir aufzeigen. Wir lieben, was wir machen, und wir verkaufen ein Stück vom guten Leben.

Wie kommen ein Jus-Student und eine Studentin der Molekularbiologie denn überhaupt dazu, Immobilien zu entwickeln?
Max Kneussl: 
Wir haben beide in Innsbruck studiert und uns dort kennengelernt. Gemeinsam haben wir die 60 Quadratmeter große Wohnung meiner Großmutter mit einem Minibudget saniert. Die Rollen wa­ren schnell verteilt: Julia kümmerte sich um Architektur und Interieur, mein Part war die Projektsteuerung und Bauaufsicht. Im Nachhinein kann man sagen: Das war unser erstes Immobilienprojekt.
Julia Kneussl: Nachdem wir ja nur ein Minibudget zur Verfügung hatten, war es natürlich doppelt aufwendig: Wir haben direkt im Sägewerk die Böden ausgesucht, selbst gebeizt und gemeinsam mit einem jungen Tischler alle Möbel aus günstigen Materialien, aber eben mit tollen Details selbst gebaut.

Wie zum Beispiel?
Julia Kneussl: Es ist nicht immer notwendig, eine langweilige Trockenbauwand einzuziehen – da konzipieren wir lieber von Anfang an raumbildende Möbel mit, wir planen sie und bieten sie unseren Kunden an. So wird zusätzlich meist wertvoller Stauraum geschaffen, und tolle Oberflächen werten die Wohnung auf. Bei jedem unserer Projekte arbeiten wir hierfür mit tollen Partnern zusammen, wie beispielsweise Steininger Designers oder Josef Göbel.

Welche Architekten oder Designer begeistern Sie?
Julia Kneussl: 
Wir lieben alte Gegenstände, die bereits eine Geschichte erzählen – diese zu neuem Leben zu erwecken, ist unsere Leidenschaft. Das beginnt bei den tollen Wiener Zinshäusern, die wir entwickeln dürfen, und endet bei Möbeln, die wir häufig auf Dach­böden alter Häuser entdecken und liebevoll sanieren, und die den Blickfang in jedem Raum bilden, ihn besonders machen. Daher sind wir auch so unheimlich dankbar, dass wir in Wien, in einer Stadt mit so toller Substanz, leben und arbeiten können. Sich auf einen Designer festzulegen, wäre mir zu langweilig.
Max Kneussl: Ich war immer schon ein großer Bewunderer von Sir David Chipperfield. Er ist so detailverliebt wie wir. Chipperfield verbindet innen und außen, er macht keine Schöne-Fassaden-Architektur, sondern denkt vor allem an die Funktion im Inneren. Da geht es um Fragen wie: Was sieht man in der Früh, wenn man seinen ersten Kaffee trinkt? Deshalb freuen wir uns auch so, dass wir ihn als Architekten für unsere Stadtvillen in Hietzing gewinnen konnten. Er ist einer der wenigen Menschen, die uns schüchtern machen.

Aber das macht einen nicht gleich zum ­Immobilienentwickler …
Julia Kneussl: Stimmt. Wie das Leben so spielt, nächtigte ein israelischer Investor zufällig im Hotel gegenüber und konnte in diese Wohnung sehen. Er stand mit den Worten »I want to buy your apartment« unangemeldet an der Tür, und der Rest ist Geschichte …

Und?
Max Kneussl: Die Wohnung haben wir zwar nicht verkauft, aber es war der Beginn einer Zusammenarbeit, die uns zurück nach Wien brachte. Ich gründete gemeinsam mit ihm eine Firma, und Julia und ich machten die Ausbildung zum Immobilientreuhänder. Julia hat dann noch ein Innenarchitektur­studium in Deutschland angehängt. Seit damals haben wir 16 Projekte umgesetzt, ­nun wagen wir uns auch an die Entwick­lung von Hotels und Projekten mit gewerb­lichem Wohnen.

Ausgerechnet in der Covid-Zeit startet CROWND Estates mit Hotelprojekten? Warum denn das?
Max Kneussl: 
Weil wir es interessant finden und immer neue Herausforderungen suchen. In der Hamburger Straße, gleich beim Wiener Naschmarkt, entwickeln wir mit dem Architekturbüro Archisphere aus einem Altbestand ein Boutique-Hotel mit rund 120 Zimmern. Bis die Entwicklung
fertig ist, ist Corona passé. 

Was verändert sich durch das Virus?
Julia Kneussl:
Die eigenen vier Wände gewinnen definitiv an Wert. Flexible Möblierung, Homeoffice-Lösungen und raumbildende Elemente für intelligente Zonierungen sind gefragt. Allgemein beobachten wir schon seit Langem, dass unsere Kunden am liebsten alles aus einem Guss möchten. Nicht nur die Einbauten, auch Möbel und Accessoires.
Max Kneussl: Wir beraten unsere Kunden auch dementsprechend, CROWND ist ein Ansprechpartner für alles. Ab dem zweiten Besichtigungstermin ist immer jemand aus unserem hauseigenen Architekten-Team dabei, um unsere Kunden bestmöglich zu beraten und alle Wünsche perfekt umzusetzen. Das schafft Vertrauen, und unser Produkt wird so auf jeden Kunden perfekt zugeschnitten.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit als Paar?
Max Kneussl:
Wir ergänzen uns sehr gut und haben auch komplett unterschiedliche Aufgabenbereiche. Ich kümmere mich um die Akquise und Finanzierung, betreue Banken und Investoren. Gemeinsam entwickeln wir dann jeweils das passende Konzept zum Projekt. Julia und ihr Team sind dann für die Planung und das Marketing zuständig. Am Abend abzuschalten und am Wochen­ende nicht permanent nur über die Arbeit zu sprechen, hat lange Zeit nicht funktioniert, aber seitdem die Kinder etwas größer sind, fordern sie zum Glück gemeinsame Zeit ein. 

CROWND Estates

Julia und Maximilian Kneussl leben mit ihren siebenjährigen Zwillingen und einem neun Monate alten Baby in Wien. Seit 2007 arbeiten sie mit Immobilien, mit ihrem 2017 gegründeten Unternehmen CROWND Estates entwickeln sie gehobene Lifestyle-Immobilien in zentralen innerstädtischen Lagen sowie am Stadtrand. Die Liebe zur Familie und zum Schönen, die Kreativität und die pragmatische Umsetzung stehen im Mittelpunkt ihrer Leidenschaft – und bilden somit die Kernwerte ihres Unternehmens mit derzeit 20 MitarbeiterInnen. crownd.at

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