© Valentina Sommariva/Living Inside

Margherita Missoni Amos richtete ihr Domizil selbst ein und lernte mit den Herausforderungen eines Interior Designers zu wachsen. In Varese entstand so ein Haus mit großer persönlicher Note, das ganz die Handschrift des Missoni-Clans trägt.

10 . September 2020

Als Margherita Maccapani Missoni Amos herausfand, dass sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, gab es zwei Dinge, deren sie sich sicher war: Erstens, dass die Zeit gekommen war, sesshaft zu werden, und zweitens, dass es keinen anderen Ort auf der Welt gab, an dem sie das lieber tun würde, als in Varese, einer Stadt am Ufer des gleichnamigen Sees, nur 50 Kilometer außerhalb von Mailand.

Margherita ist die Erst­geborene von Modedesignerin Angela Missoni und seit 2012 mit dem Unternehmer und Rennfahrer Eugenio Amos verheiratet. Im Oktober 2018 übernahm sie die Rolle der Kreativdirektorin der Linie M Missoni und trat damit in die Fußstapfen ihrer Mutter, die die gefeierte Marke über zwanzig Jahre lang führte und deren Eltern Ottavio und Rosita das mehrfarbige Zickzackmuster des Labels als Ikone des italienischen Designs prägten. Doch trotz der Jahre, die sie inmitten des internationalen Jetsets verbrachte und zwischen New York, Paris, Rom und Mailand hin und her pendelte, zögerte Margherita keinen Moment, als die Zeit kam, die Großstadt zu verlassen und zu einem entspannteren Rhythmus auf dem Land zu finden.

»Mir gefällt das Leben auf dem Land. Obwohl ich in der Modewelt tätig bin, hatte ich nie Zweifel daran, dass, wenn die Zeit gekommen wäre, um Kinder großzuziehen, ein Leben inmitten der Natur die gesündeste Option sein würde.« In Varese sind die Missonis eine Institution: Die meisten Familienmitglieder stammen – genau wie das Unternehmen – von hier, und viele haben sich entschieden, auch zu bleiben. Tatsächlich war es Margheritas Schwester Teresa, die als Erste den Hashtag #VareseThePlaceToBe prägte – eine verspielte Hommage an die lombardi­-sche Stadt, die heute mit fast 72.000 Fotos auf Instagram punkten kann.

»Das war der härteste Job, den ich je gemacht habe!«

Als Margherita und Eugenio ein zum Verkauf stehendes Grundstück mit Blick auf den Varese-See, den nahen Monte Rosa und die majestätischen Alpen entdeckten, waren sie sofort hingerissen. Inspiriert von der Suche nach Stilen, Formen und Materialien beschloss das Paar, ein völlig neues Haus zu bauen, und vertraute das Projekt dem Architekturbüro Cibic Workshop an. »Nachdem wir unsere anfänglichen Differenzen überwunden hatten, konzentrierten wir uns auf die Elemente, die uns beiden gefielen, und füllten ein Notizbuch mit Referenzen, auf die wir uns einigen konnten: Stein und Holz für den Außenbereich, lineare Beleuchtung und ein Wohnzimmer mit Ausblick auf zwei Seiten.«

Der in Vicenza lebende Designer Aldo Cibic, Mitbegründer der Memphis Group und langjähriger Kooperationspartner von Ettore Sottsass, begann anschließend mit der Arbeit an dem Projekt: »Die Architektur folgt dem Hang des Hügels. Sie zeichnet sich durch einen langen, schwebenden Körper aus, der die privateren Bereiche des Hauses beherbergt und wie das Satteldach vollständig mit Holz verkleidet ist. Diese Struktur entwickelt sich wie eine Brücke, die auf zwei Volumina ruht und einen Essbereich mit einer Bibliothek verbindet. In der Mitte ermöglicht ein ver­glastes Wohnzimmer den Blick auf die Landschaft zu beiden Seiten.«

Margherita gesteht, dass sie, beflügelt durch ihren Enthusiasmus, das Inneneinrichtungsprojekt mit einer ge­wissen Naivität angegangen ist. »Das war der härteste Job, den ich je gemacht habe! Sich ohne jegliche Erfahrung um alle technischen Details zu kümmern, war unglaublich kompliziert. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich die Verantwortung an jemand anderen abgegeben. Es ist besser, mit den Fehlern anderer zu leben als mit den eigenen!«

Haus mit Persönlichkeit

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten kann Margherita jetzt sagen, dass sie in ihrem Traumhaus lebt. Das Haus, das für das alltägliche Leben der gesamten Familie entworfen wurde, bietet für jeden etwas: ein Spielzimmer für die beiden Kinder, ein Atelier, eine entspannende »Oase« für Margherita und eine großzügige Garage für Eugenio und seine Oldtimer-Sammlung. Es ist ein Haus mit starker Persönlichkeit, in dem gewagte Farben und Muster so zur Geltung kommen, wie man es in einem Missoni-Haus erwartet.

Margherita ertappt sich beim Schwärmen: »Die Missoni-Ästhetik ist dem Projekt gewiss anzusehen, und dennoch repräsentiert das Haus meinen persön­lichen Stil. Es ist beeinflusst von meiner Lebenserfahrung, den Jahren, die ich im Ausland gelebt habe, und von meinem zeit­genössischen Lebensstil.«

»Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich die
Ver­antwortung an jemand anderen abgegeben. Es ist besser,
mit den Fehlern anderer zu leben als mit den eigenen!«
Margherita Missoni Amos über ihre Erfahrung als Interior Designerin

Nach Festlegung der allgemeinen Raumaufteilung erlaubte sich Margherita, bei der Wahl der Möbel kreativ zu werden. Um ein Gleichgewicht zwischen raffinierten und eklektischen Elementen herzustellen, kombinierte sie Online-Funde und auf Flohmärkten ergatterte Unikate – eine Leidenschaft, die sie mit ihrer Mutter Angela und ihrer Großmutter Rosita teilt. Im lichtdurchfluteten Wohnzimmer hat sie ein Bücherregal aus Plexiglas von Andrea Branzi in Szene gesetzt, mit Vintage-Objekten verfeinert und mit Stühlen aus den 1950er-Jahren kombiniert, die mit floralen Stoffen bezogen wurden.

Im Mittelpunkt des harmonisch dekorierten Raumes steht ein pastellblaues Sofa aus Samt, das ihre Mutter Angela bei Ebay ersteigert hat und über einem mehrfarbigen Teppich mit chinesischen Tierkreiszeichen thront. Margherita lächelt verschmitzt, als sie erzählt, wie sie zu dem für Missoni Home gefertigten Prototyp gekommen ist. »Ich habe ihn aus dem Ausstellungsraum mit der Ausrede ausgeliehen, dass ich ihn für ein Fotoshooting bräuchte, und nachdem ich den Teppich im Wohnzimmer aus­gerollt hatte, lud ich meine Großmutter ein, um ihr zu zeigen, wie perfekt er dort hin­passen würde. Sie hatte keine andere Wahl, als ihn mir zu überlassen.«

Instinktive Entscheidungen

Eindeutig gewagt ist der Zebrastreifen-­teppich, gepaart mit der hellgrünen Wand­farbe – eine Wahl, die Margherita für das Schlafzimmer getroffen hat. Das Himmelbett aus Holz, das mit organischen Linien punktet, wurde von Tommaso Barbi entworfen. »Ich hatte so viel Spaß mit Eugenio bei der Auswahl der Stücke. Wir kauften fast alles, bevor das Haus überhaupt fertig war. Wir trafen viele instinktive Entscheidungen, weil wir wussten, dass die Einrichtungsgegenstände, mit denen man eine enge Verbindung hat, letztlich diejenigen sind, mit denen ein Zuhause vollkommen wird.

Glücklicherweise kam am Ende alles zusammen und fand seinen eigenen Platz im Raum.« Was den Rest des Hauses betrifft, so spiegelt sich Margheritas Stil durchgehend wider. Sie beschreibt ihn als fröhlich, verspielt und entspannt. Jedes Element, sei es ein von Lola Schnabel gemaltes Familien­porträt, ein im Wohnbereich geparktes Motorrad von Valentino Rossi oder ein Wandgemälde, das das Esszimmer in einen Wald verwandelt, erinnert an das Lebens­gefühl all’italiana, das genau wie die Missonis selbst ist.

LIVING Nr. 05/2020

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