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Bethan Laura Wood – FARBEN, WOHIN MAN SIEHT

2022 wird von Farben und Mustern dominiert. Auch Designerin Bethan Laura Wood spielt mit diesen Trends – aber nicht nur heute, sondern bereits ihr ganzes Leben lang. Das LIVING-Interview über ihre Passion für Farbpaletten, warum ihr die Selbstständigkeit so wichtig und ihr eigenes Zuhause so bunt wie ein Regenbogen ist.

22 . Februar 2022 - By Amelie-Catharina Bacher

Wenn man sich als Designerin einen Namen macht, indem man transportable Möbel und Haushaltswaren in Regenbogenfarben entwirft, so ist das dazugehörige fantastische Zuhause in London nur ein Add-on in einer traumhaften Fantasiewelt. Bethan Laura Wood lebt in dieser und hat sich nicht grundlos der Erforschung der emotionalen Kraft regionaler Farbpaletten verschrieben. Zwischen »eingelegten Luftballonen« von Saelia Aparicio und quallenförmigen Vasen von Gaetano Pesce, die sie humoristisch als ihre einzigen Haustiere bezeichnet, finden sich in Woods Welt allerlei skurrile Inspirationsquellen. LIVING rückte ihr etwas näher und erforschte ihre Passion u. a. für starke Frauen und Nachhaltigkeit.

LIVING: Seit 2009 leiten Sie Ihr eigenes Studio WOOD – wie ist die Entscheidung zu diesem doch mutigen Schritt gefallen?

Bethan Laura Wood: Ich glaube, ich woll-te schon immer nur für mich arbeiten, mein eigenes Studio haben. Ich komme auch aus einer Generation, der beigebracht wurde, dass ich vielleicht ewig warten müsste, bis ich entdeckt werde. Daraus resultierte der Gedanke, sich auch aus eigener Kraft pushen zu können.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Farben?

Wood: Viele Menschen haben einen prädominanten Sinn, bei manchen ist es das Riechen, bei anderen das Schmecken. Bei mir sind es eben Farben. Meine Farbwelten haben sich über die Jahre verändert und sind oft meinem Aufenthaltsort zugeordnet oder Ländern, die ich persönlich besucht habe.

Das Thema Nachhaltigkeit ist Ihnen ein  wichtiges Anliegen – wie zeigt sich das in  Ihrer Arbeit?

Wood: Nachhaltigkeit ist, glaube ich, für jeden -wichtig und sollte auch in allen Bereichen des Designs und der Gesellschaft besprochen werden. Wenn es passt, versuche ich immer, Wege zu finden, das Thema in meine Arbeiten aufzunehmen. Ich achte darauf, ob das produzierte Stück nur für ein Event ist oder längerfristig verwendet werden kann, und versuche, meine Materialien entsprechend langlebig auszuwählen.

Sie haben bereits mit vielen namhaften Partnern kooperiert, wie Perrier-Jouët, Rosenthal, oder Hermès – haben Sie einen Favoriten?

Wood: Ich kann hier niemandem den Vorzug geben, da ich von jeder Zusammenarbeit Positives mitnehmen konnte. Mir gefällt der Gedanke einer Kollaboration, da es das Endresultat ohne einen der beiden Partner nie gegeben hätte. Hermès hat mich mit dem Handwerk versöhnt, mich an die Freude am Malen erinnert. Perrier-Jouët hat mir die Nuancen der Art nouveau und des Arbeitens mit 3D-Formen nähergebracht. Rosenthal und cc-tapis haben mich mit außerordentlichen Handwerkerinnen und Handwerkern zusammengebracht, in deren Kunst ich eintauchen durfte.

Seit bereits zehn Jahren arbeiten Sie mit Nina Yashar und deren Mailänder Galerie Nilufar zusammen – wie kam es dazu?

Wood: Nina wurde mir durch den wunderbaren Martino Gamper vorgestellt, der ebenfalls mit der Galerie zusammenarbeitet. Ich ­wusste sofort, dass ich mit so einer großartigen, starken Frau gerne zusammenarbeiten würde. Die Arbeit mit ihr hat mir so viel mitgegeben, vor allem über italienisches Design. Es gibt nichts Besseres, als ihre Sammlung von historischem Design zu erleben, um die Physis und Proportionen der verschiedenen Designbewegungen und Meister zu verstehen.

Die letzte gemeinsame Ausstellung trug den Namen »Ornate«. Ihre Stücke wurden von einer Art Boudoir 2.0 inspiriert – wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Wood: Bei »Ornate« handelt es sich um eine Soloshow für die Galerie Nilufar. Es ging um die Zele­brierung von zehn Jahren Austausch zwischen mir und Nina Yashar. Als ich mich mit der Galerie über die Art der Darstellung der Arbeiten und historischen Werke unterhielt, kam die Idee des traditionellen Boudoirs auf. Boudoir bedeutet nichts mehr als ein Raum, der nur für Frauen entworfen wurde. Ich fand es außerdem passend, um den Zusammenhang zum British Aesthetic Movement sowie Art nouveau herzustellen, welche ich immer wieder im ­Unterton erwähne. Frei nach Virginia Woolf zeigt es die Wichtigkeit eines Rückzugsorts, was gerade aktuell sehr relevant ist.

Sie halten regelmäßig Vorlesungen und Workshops an Universitäten und treten als Gast­rednerin auf internationalen Messen auf – wie wichtig ist es Ihnen, Ihr Wissen weiterzugeben?

Wood: Ich mochte es immer, anderen etwas beizubringen. Allein weil ich es auch als Studentin immer zu schätzen wusste, wenn eine Künstlerin oder ein Künstler zu uns nach Brighton oder ins RCA gekommen ist. Dadurch durfte ich unter anderem manche meiner Designidole kennenlernen. Dieses positive Gefühl möchte ich zurückgeben. Die heutigen Studentinnen und Studenten erleben und erfahren Dinge auf eine komplett andere Art und Weise, und ich möchte Teil dieser Entwicklung sein.

Ihr Zuhause ist auch so farbenfroh eingerichtet wie Ihre Arbeiten?

Wood: Mein Zuhause ist nicht sehr minimalistisch eingerichtet. Ich bringe viel von Reisen mit. Ich würde es als gemütlichen Kokon aus ­Farben und Texturen bezeichnen, jedoch würde ich davon absehen, hineinzuspringen, da zu viele Dinge herunterfallen könnten.

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