© Alexander van Berge, www.urbanzintel.de

Bernd Grubers Creative Director Philipp Hoflehner im Interview

Ein Gespräch über die schönen Dinge des Lebens: Das Team um den Kitzbühler Designer Bernd Gruber verschanzte sich auf der Alm, um über Schönheit zu philosophieren. Entstanden ist ein 192 Seiten starker Band über die individuelle Haltung zu Architektur und Design.

11 . Dezember 2019 - By Michael Pech

Überraschend fiel Schnee in dieser Nacht. Doch das beflügelte die Gespräche nur. »Schönheit ist oft so einfach«, meinte einer. »Und das Einfache ist oft am schwierigsten.« Es sind nur scheinbar banale Sätze. Denn die Frauen und Männer, die diese Sätze an jenem Wochenende oben auf der Alm formulierten, sind Designer und Handwerker aus dem Kitzbühler Designbüro von Bernd Gruber, einem der angesag­testen internationalen Raumausstatter. Sie sezierten diese Sätze bis ins kleinste Detail. Sie dis­kutierten, sie philosophierten – und so entstand Stunde um Stunde mehr Stoff für ein ganz besonderes Werk: ein Buch über die Schönheit und den Glauben daran, dass schöne Dinge besser sind. 

Doch sind sie das wirklich? Das wollen wir von Philipp Hoflehner wissen, dem Creative Director von Bernd Gruber, der natürlich mit dabei gewesen ist auf der Alm. Zunächst aber beschäftigt uns eine ganz andere Frage …

Wenn alles Überflüssige weg ist, gibt es nichts mehr, was einen auf Dauer überdrüssig werden lassen kann.

Philipp Hoflehner, Creative Director

LIVING: Für die Entstehung dieses Buchs haben Sie sich auf eine Alm zurück-gezogen. Wird der Blick auf das Schöne in einfacher Umgebung noch einmal mehr geschärft?
Philipp Hoflehner: Ein bisschen Abstand zur Welt schärft alle Sinne. Und die Natur war für das Schöne schon immer der beste Ratgeber. Letzten Endes ist auch unsere Art zu gestalten von der Natur inspiriert. Es kommt nur darauf an, wo man hinsieht.

In Ihrem Buch geht es um die schönen Dinge. Sind diese wirklich besser?
Dass schöne Dinge besser sind, mag zunächst einmal arrogant klingen. Für mich hat wahre Schönheit aber immer auch mit Funktion zu tun. Wenn etwas schön aussieht und ich im Alltag erkenne, dass sich der Gestalter Gedanken um den Nutzen gemacht hat, dann entsteht eine tiefe Bindung. Schönheit und Identifikation liegen nah beieinander.

Muss sich die Schönheit auch Trends unterwerfen, um nicht eintönig zu werden und so Gefahr zu laufen, ihre Strahlkraft zu verlieren?
Trends waren uns schon immer egal. Die wirken nur kurzfristig. Was wir als Designstudio für uns und unsere Kunden wollen, ist eine zeitlose Schönheit. Und die erreicht man durch die Kunst des Weglassens. Wenn alles Überflüssige weg ist, gibt es nichts mehr, was einen auf Dauer überdrüssig werden lassen kann. Wir gestalten Wohnräume, an denen sich unsere Kunden ein Leben lang erfreuen sollen. Diesen Lebensraum dürfen wir nicht unnötig vollstopfen, wir müssen sensibel damit umgehen.

Bernd Gruber – Interior Design & Craftsmanship

Ein ganz persönliches Buch über das Designstudio Bernd Gruber. Das Team war auf der Alm, um über die Schön­heit der Dinge zu philosophieren. Die Essenz dieser Gespräche inklusive Bilder zahlreicher Arbeiten auf 192 Seiten.

Verlag: BETA PLUS
ET: Dezember 2019
bernd-gruber.at/shop

Schönheit liegt – so sagt man – im Auge des Betrachters. Was, wenn Ihre Kunden einen anderen Blick auf das Schöne haben?
Unsere Kunden beauftragen uns ja, weil ihnen unsere Arbeiten gefallen – und nicht aus purem Zufall. Da gibt es also schon einmal ein übergeordnetes Verständnis, das wir teilen. Aber das Gestalten eines Zuhauses für Menschen ist natürlich ein sehr sensibler und intimer Akt. Wir hören genau hin. Was braucht der Kunde? Was stellt er sich vor? Aber im Endeffekt machst du das Projekt immer, als wäre es für dich selbst. Und der eigene Anspruch ist im Grunde sogar höher als der unserer Auftraggeber.

Ihr Buch ist gleichzeitig auch ein Bildband, der Arbeiten von Bernd Gruber in aller Welt zeigt – von Österreich über die Schweiz bis in die USA. Verändert sich das Schöne mit dem Ort, an dem es sich befindet?
Jeder Ort beeinflusst uns und so auch unsere Sicht auf die Dinge. Entwürfe, die perfekt
in die Schweizer Alpen passen, wirken in Los Angeles verloren. Somit ist Schönheit auch immer mit dem Ort verbunden. Aber es gibt einen Ort, an dem all das Schöne zusammenläuft – und dieser Platz, der ist in uns Menschen selbst. Denn schöne Dinge sind am Ende immer das Ergebnis der Gedanken davor.

LIVING Nr. 06/2019

Erschienen in:

LIVING Nr. 06/2019

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