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Wo früher Wildnis war, wachsen jetzt Türme in die Höhe und Promenaden in die Breite. Wien entdeckt die Donau neu und seine Investoren den lukrativen Mehrwert des Wassers.

16 . Dezember 2021 - By Maik Novotny

Noch vor 200 Jahren hätte der Ausblick hier aus dem Panoramafenster ganz anders ausgesehen. Ausufernde grüne Wildnis, dazwischen sich windende Flussarme. Zur Lobby hätte man sich den Weg durch Dickicht und Sumpf und Gelsen bahnen müssen. Insofern dürfen die Investoren, die heute das Donauufer besiedeln, den Ingenieuren und Stadtplanern dankbar sein, die sich Ende des 19. Jahrhunderts an die Donauregulierung machten, und jenen, die hundert Jahre später daraus das Freizeitparadies der Donauinsel entstehen ließen.

Unverbaubare Lage

Dank ihnen verfügt Wien heute über gut 100 Kilometer regulierten Flussufers, das sich inzwischen zur Prime Location entwickelt hat. Wien rückt endlich an die Donau, und zwar horizontal und vertikal zugleich. Die Wolkenkratzer-Familie aus DC, Millennium und Florido Tower bekommt Nachwuchs. Beispiel Donaumarina: Wo sich die U2 über den Fluss schwingt, hat der Marina Tower der BUWOG schon seine finale Höhe von weithin sichtbaren 138 Metern erreicht. Rund 500 Eigentumswohnungen sind hier im Angebot, plus ­Fitnesscenter und Concierge-Service, alles in unverbaubarer Waterfront-Lage. 

Nun ja: Fast unverbaubar, denn rechts und links des Marina Tower wird die Front in die Breite und Höhe wachsen. Auf der anderen Seite der U2 der bis zu 113 Meter hohe ­BAI-Tower mit 33 Bürogeschoßen, für den ­Dominique Perrault 2019 den Wettbewerb gewann. Der Baubeginn ist für 2023, die Fertigstellung für 2025 vorgesehen. Gemeinsam mit dem Viertel Zwei, Viertel Zwei Plus und dem neuen Busbahnhof wächst hier langsam ein ganzer Stadtteil zusammen, entsprechend dem Masterplan »U2-Achse« der Stadt Wien.

Masterpläne hat die Donauplatte schon viele gesehen, keiner davon wurde ganz umgesetzt, was in einem Wolkenkratzer-Wildwuchs resultierte. Die letzten Lücken werden jetzt geschlossen, und auch hier wurde viel verworfen und umgeplant: Der DC Tower 2, eigentlich als ­zackig-schwarzes Gegenüber des DC 1 geplant, wird nach dem Verkauf an die Commerz Real eine wenig aufregende 180 Meter hohe graue Kiste werden (geplante Fertigstellung 2025). Dafür fand sich auf der Verkehrsinsel zwischen Wagramer Straße, Autobahnauffahrt und ­U-Bahn-Linie noch Platz für einen dritten DC Tower, der vor dem zweiten eröffnet wird. Vermarktet (ebenso wie der DC 2) von der S+B-Gruppe, wird er 832 Studentenwohnungen beherbergen, die keck ausgestülpten ­Fensternischen sorgen für Fernblick in den Lernpausen.

Wildnis wird Stadt

Doch auch diese Lage ist nicht ganz unverbaubar, denn bald werden sich die Danube Flats in die erste Reihe an der Reichsbrücke vordrängeln, mit 160 Metern das höchste Wohngebäude Österreichs und das dritthöchste in Europa. Lange umstritten, sind inzwischen alle Planungshürden umschifft, der Baubeginn ist für April 2022 terminiert. Rund 600 Apartments werden hier entstehen, etwa 400 davon Klein- und Kleinstwohnungen, davon wiederum 120 bis 150 Serviced Apartments. Dank der geschwungenen Fassade und der nun aber wirklich unverbaubaren Lage ist hier der Waterfront-Blick garantiert, noch dazu in Südwest-Sonnenlage.

Eine Waterfront, die auch in der Horizontalen aufgefrischt wird. Der erste Bauabschnitt der aufgeräumten Copa Cagrana neu wurde 2018 fertig, zurzeit läuft der Wettbewerb für die »Sunken City« auf der Donauinsel gegenüber. Was früher Wildnis war, wird erstmals zu einem Stück der Stadt, und das fast an allen Uferkanten. Jenseits der Alten Donau wird das, was früher eine Art Kleingartensiedlung war, Stück für Stück in Yachtoptik umgemodelt. Nur das rechte Donauufer sträubt sich noch gegen die Veredelung, solange der Handelskai als industrielle Barriere im Weg liegt. Der Marina Tower löst das Problem mit einer Überbrückung, und die Luxusvillen The Shore, ganz oben an der Stadtgrenze zu Klosterneuburg, profitieren mit ihrer Lage direkt am Wasser davon, dass es dort keinen Handelskai gibt. Aber vielleicht gelingt den Donau-Ingenieuren mal wieder ein großer Wurf. Dann kommt Wien in ganzer Breite ans Wasser.

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LIVING Nr. 08/2021
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