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Arty Weekend Interview mit Marina Schiptjenko: »Hier findet man mehr als genug«

Die Galeristin Marina Schiptjenko erzählt, warum Stockholm der ideale Nährboden für Kunst und alles andere als langweilig ist.

16 . Februar 2021

LIVING: Sie haben 1991 in Stockholm gemeinsam mit Ciléne Andréhn Ihre Galerie gegründet. Warum gerade dort?
Marina Schiptjenko:
Ganz einfach: Wir sind beide zum Studieren nach Stockholm gezogen und wohnten dort. Eine Galerie wie Andréhn-Schiptjenko würde auch woanders in Schweden nicht funktionieren. Hier leben die meisten Sammler, hier sind die Institutionen. Wir haben aber von Anfang an mit internationalem Fokus gearbeitet, teils aufgrund unseres biografischen Hintergrunds und teils, weil Schwedens Kunstmarkt zu klein ist. Vor der Pandemie waren es vor allem Kunstmessen wie die Art Basel und FIAC, bei denen wir uns vernetzt haben. Jetzt muss das die Online-Präsenz leisten, aber das ist nicht dasselbe. 2019 gründeten wir Andréhn-Schiptjenko Paris, damit können wir auch außerhalb Schwedens agieren, ohne auf Kunstmessen angewiesen zu sein.

Wie hat sich die Kunstszene in Stockholm seit 1991 entwickelt?
Die 90er-Jahre waren eine tolle Kunstdekade für die nordischen Länder. Wir waren eine neue Gruppe von Galerien, die mit zeitge-nössischen Künstlern arbeiteten. Es gab viele Magazine, sehr gute Kunstkritiker und ein großes Interesse an neuen Künstlern. Gemeinsam mit der Magasin 3 Stockholm Konsthall am Hafen hatten wir eine sehr vitale Szene. Heute ist es viel internationaler, man reist mehr herum. Die Szene hat sich etwas zerstreut, aber es gibt einige starke Galerien. Das Magasin III Contemporary Art Museum hat unter neuem Namen am selben Ort eröffnet, und mit neuen privaten Institutionen wie der Bonniers Konsthall, Sven-Harrys Konstmuseum und Artipelag hat Stockholm heute eine größere und diversere Kunstszene.

Stockholm hat den Ruf einer skandinavisch-freundlichen Stadt, gilt aber nicht gerade als
aufregend. Ein ungerechtes Vorurteil?

Eine kleine Stadt wie Stockholm kann nicht mit New York, Berlin oder Paris konkurrieren, aber es kommt darauf an, was einen interessiert. Stockholm hat sehr innovative Restaurants und eine exzellente Musik- und Clubszene. Wenn man an Kunst interessiert ist, findet man hier mehr als genug – und was die Kombination ­von Urbanität und Natur angeht, ist Stockholm sowieso die Nummer eins. 

Schweden hat eine Tradition großzügiger staatlicher Kulturförderungen. Wie wichtig ist das für Künstler und Galeristen?
Es schafft eine gewisse Stabilität, das ist sehr wichtig. Aber vor allem hat es eine Signalwirkung, dass der Erfolg von Kunst nicht davon abhängig ist, wie viele Leute dafür zahlen. Kunst und Kultur dürfen und müssen exis­tieren, ohne profitabel zu sein.

Zeigen Museen und Galerien vor allem schwedische Künstler oder ist die Kunstwelt internationaler geworden?
Stockholm hat nicht nur viele Galerien mit internationalem Programm, sondern auch private Institutionen und das Moderna Museet obendrein. Es ist also eine sehr gute Mischung!

Welche Museen und Galerien würden Sie einem Wochenend-Besucher empfehlen?
Unter den Museen das Magasin III Contemporary Art Museum, die Bonniers Konsthall, das Moderna Museet und die Thielska Galleriet. Bei den Galerien die Galleri Magnus Karlsson, die Galleri Nor­denhake und alle im umliegenden Stadtviertel Vasastan. Und die Kunstmesse Market in Liljevalchs, die in diesem Jahr im September stattfinden wird.

Marina Schiptjenko

Marina Schiptjenko gründete 1991 mit Ciléne Andréhn die Galerie Andréhn-Schiptjenko, die von Beginn an junge skandinavische Künstler förderte und heute als eine der führenden in Stockholm gilt. Im Frühjahr 2019 eröffneten sie eine Zweigstelle in Paris. andrehn-schiptjenko.com

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