© precht.at

Mehr und mehr Investoren und Developer entdecken den Reiz von nachhaltiger Architektur. Die weltweit geplanten und realisierten Projekte reichen von terrassierten Gärten über bebaumte Berge bis hin zu Häusern, die aus Recycling-Ziegeln gemauert werden.

24 . November 2020 - By Wojciech Czaja

Überdachte Balkone, begrünte Dächer, zurückgestufte Fassade. Auf den ersten Blick sieht das »Hilton Hotel« in Hyderabad, Südindien, aus wie eine geometrisch triangulierte Neuinterpretation der Hängenden Gärten der Semiramis. »Grüne, nachhaltige Architektur ist ein jahrtausendealtes Thema«, sagt Chris Precht. »Aber wir bemühen uns, diesem Thema eine neue, ansprechende Form zu geben, um die Menschen dafür zu begeistern und zu sensibilisieren.« Sobald man der Natur nämlich durch die Errichtung eines Gebäudes Land wegnimmt, ist der 36-Jährige überzeugt, trage man auch die Verantwortung, ihr das geraubte Land nach Möglichkeit wieder zurückzugeben. Zum Beispiel in Form einer begrünten Dach- und Fassadenlandschaft. 

Im Inneren des ungewöhnlich proportionierten Hotels verbirgt sich eine trapezförmige Konstruktion aus Pfeilern und Trägern und sorgfältig hineingeschlichteten Zimmermodulen. Über den Balkonen befinden sich sattelförmige Dachelemente, die begrünt werden und den hier Sitzenden eine Dschungelaussicht bieten sollen. Das im Salzburger Land beheimatete Studio Precht ist darauf spezialisiert, sich seine Projekte und Bauaufgaben selbst zu suchen und in selbst initiierten Projekten in die Zukunft zu blicken. So auch bei diesem Ding, das auf Vorträgen und in Social-Media-Kanälen die Runde machte. Doch was als fiktives Projekt begann, begeisterte einen indischen Deve-loper, der kurzerhand beschloss, das 240-Zimmer-Haus als Franchise-Hotel in die Realität umzusetzen. Geplanter Baubeginn: Frühjahr 2021. 

Auch andernorts wächst Natur aus der von Menschenhand künstlich geschaffenen Umgebung. In Shanghai wurde kürzlich das Projekt »1.000 Trees« des Londoner Büros Studio Heatherwick fertiggestellt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gebäuden wurde die tragende Säulenstruktur des 20-stöckigen Wohn- und Office-Komplexes bewusst nach außen gekehrt. Die rund tausend Säulenkapitäle dienen dabei als Pflanzentröge für Büsche und Bäume aller Art. Insgesamt 25.000 Pflanzen – die meisten davon stammen aus dem nahe gelegenen Flussdelta Yangtse – wuchern in den Himmel. 

»Wir sehen die Pflanzentröge als natürliche Fortsetzung der konstruktiv tragenden Säulen«, sagt Lisa Finlay, Partnerin im Studio Heatherwick. »Und natürlich verleihen die Bäume dem Gebäude, gerade hier in diesem dicht verbauten, dicht besiedelten Stadtareal von Shanghai, eine gewisse unverwechselbare Identität.« Ergänzt wird das natürliche Grün durch das mineralische Graugrün des lokalen Granits, der an der Fassade verbaut wurde. Die Schönheit sei ein wichtiger Faktor, meint Finlay, denn nicht zuletzt dienten solche Projekte, die medial rezipiert werden und eine hohe internationale Publicity erreichen, als wichtige Symbole für nachhaltige Architektur. 

Ressourcenschonendes Bauen kann viele Facetten annehmen. Während die einen mit Pflanzen arbeiten, entwickeln die anderen innovative Prototypen, die beweisen, dass man auch mit wenig Platz, wenig Versiegelung, wenig Materialeinsatz, wenig CO2-Emissionen und wenig Energieverbrauch ästhetisch ansprechende, zeitgenössische Wohnmodelle errichten kann. Das Spektrum reicht dabei von der futuristischen Hightech-Maschine mit Solarkraftwerken und Phase Change Materials bis hin zu Recycling-Ziegelsteinen, in die als Zuschlagstoffe gemahlener Bauschutt und alte, zertrümmerte Klomuscheln eingearbeitet werden.

Die teuersten Materialien

Nachhaltiges Bauen hat nicht unbedingt mit niedrigen Baukosten zu tun. Ganz im Gegenteil: So manch kostspieliger, aufwendig herzustellender Baustoff entpuppt sich als wahres Energie- und Robustheitswunder. 

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