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Anlagen in Österreich: Welche Werte wirklich zählen

Welche Immobilien sich die Österreicherinnen und Österreicher unter Wertanlagen vorstellen, ist sehr unterschiedlich. Es gibt aber ein paar Punkte, die ­bei allen gleich sind – und die sich in den letzten Monaten verändert haben.

23 . November 2020 - By Walter Senk

Wohnen ist anders geworden. Wichtiger. Die eigenen vier Wände zu einem Ort zu machen, an dem man nicht nur wohnt, sondern sich auch richtig zu Hause fühlt, ist für die Menschen entscheidender denn je. Denn so viel Zeit wie in den letzten Monaten haben einige Österreicherinnen und Österreicher schon lange nicht mehr durchgehend im eigenen Heim verbracht.

In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice und Quarantäne realisieren wir mehr denn je, wie Wohnräume zu besonderen Rückzugsräumen werden. Die Prioritäten verschieben sich. »My home is my castle. Die Zeit für sich und seine Lieben in einem komforta­blen und lebenswerten Zuhause wird zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen«, meint Markus Hämmerle, Teamleitung Verkauf bei ZIMA, und ergänzt: »Viren gehen, Wohnimmobilien bleiben.«

Rund um die Stadt

Welche Immobilie in den Augen der Menschen eine Wertanlage darstellt, wird von ­ den Käuferinnen und Käufern zwar sehr unterschiedlich gesehen, ein Aspekt rückt allerdings immer mehr in den Vordergrund: die emotionale Verbundenheit mit der Immobilie. Der Trend zur Urbanisierung scheint etwas gebrochen zu sein. Die Stadt zieht zwar Leute an, die zur Ausbildung und zur Arbeit kommen, aber es gibt auch eine stärker werdende Gegenbewegung Richtung raus aus dem Grau, hinaus aufs Land. »Glücksdorf statt Stadt«, bezeichnet Nikolaus Lallitsch, Raiff­eisen Immobilien Österreich, diese Entwicklung: »Corona hat uns zwar die Flügel gestutzt, aber die Wurzeln gestärkt.«

Man schätzt neuerdings und mehr denn je die ­Beschaulichkeit, die Überschaubarkeit, das Echte, das Natürliche, das Wahrhafte. »Alles rund um Wien boomt gerade enorm«, erklärt der FindMyHome.at-Geschäftsführer Bernd Gabel-Hlawa: »Durch Corona haben sich die Wohnbedürfnisse verändert. Die Leute wollen ins Grüne, aber dennoch in City-Nähe bleiben.« Viele Bezirke in Niederösterreich, die die Nähe zu Wien bieten, sind dadurch interessant – aber preislich sehr unterschiedlich. Zu den teuersten Regionen zählen Mödling, Baden, Klosterneuburg und Korneuburg, günstiger kaufen kann man in Horn, Gänserndorf, aber auch Mistelbach und St. Pölten. Die Chancen auf Wertsteigerungen sind vor allem in der niederösterreichischen Hauptstadt gegeben.

»Ebenfalls in den städtischen Lagen, aber auch rundherum werden gerne Grundstücke zu Investitionszwecken gekauft«, stellt Martina Hirsch, Leitung Bauträgervertrieb s REAL, fest: »Da viele Projektentwickler beziehungsweise Bauträger aus Wien rausgehen und sich nicht nur in den größeren Städten Niederösterreichs, sondern in immer kleinere Städte und auch Gemeinden vorwagen, sind auch diese ein lukratives Investment.«

Freiflächen oder viel Natur

Naturnahe Erlebnisse bieten in Österreich viele Regionen, und wenn sie noch in der Nähe der Ballungsräume sind, umso besser. Beide Welten – nämlich Stadt und Land – in einem überschaubaren fahrtechnischen Zeitraum heben nicht nur die Lebensqualität, sondern vor allem auch den Wert der Immobilie. Leichte Erreichbarkeit heißt auch stabile Preise. Das gilt zum Beispiel für das nördliche Burgenland.

»Das Attraktive der Region im Norden des Neusiedler Sees ist die zentrale Lage. Man ist in 30 bis 40 Minuten in der Innenstadt von Wien oder Bratislava, am Flughafen oder in Ungarn«, preist Wolfgang Gollner, die Region an. Er ist für das Projekt »Am Hafen« direkt am Neusiedler See verantwortlich: »Der Trend ›Wohnen am Wasser‹ hält seit Jahren an.« Der zusätzliche Schub kam Anfang März. Das gilt aber nicht nur für die Region rund um das »Meer der Wiener«.

Die oberösterreichischen Seen sind seit jeher eine gefragte Lage – und seit ein paar Monaten erst recht. In Oberösterreich be­obachtet Siegfried Spiessberger, Geschäfts­führer von Maximilianhof Immobilien, »eine steigende Nachfrage von Privatinvestoren im Luxusimmobilienbereich mit Freizeit­charakter«. Zwei Faktoren macht Spiessberger hierfür verantwortlich: »Die fehlenden Anlage­alternativen, aber auch die nicht unwesentlich durch Corona bedingte Aufwertung ­inländischer Urlaubs- und Freizeitdomizile.« Wert hat, was Sinn hat.

»Private Investoren kaufen einerseits als reine Geld­anlage und andererseits, um die Immobilie später einmal selbst zu nutzen oder den Nachkommen zur Eigen­nutzung zu geben.«

Ulrike Siebenhofer, Leitung Wohnimmobilien Eigentum, ÖRAG

Gekauft wird auch die Emotion

Gerade in den letzten Monaten ist daher die Region Kitzbühel in Europa zum »Place to be« geworden. »Private Investoren, die Liegenschaften – egal, ob Häuser, Wohnungen oder Baugrundstücke – überwiegend für den Eigenbedarf erwerben, sind fokussiert auf ein stabiles und nachhaltiges Preisniveau, perfekte Erreichbarkeit und hohe Sicherheit«, meint Karin Gornik, Geschäftsführerin Gornik Immobilien: »Dazu kommt in Kitzbühel die unwiderstehliche Mischung aus alpenländischem Charme und internationaler Topdestination.« Gekauft wird eben nicht nur die Immobilie, sondern auch die Emotion, die Landschaft – das Besondere rundherum. 

»›My home is my castle‹ – mehr denn je ist die Investition in eine Wohn­immobilie eine nachhaltige, sichere und ertragreiche Vermögensanlage.«

Markus Hämmerle, Teamleitung Verkauf ZIMA

Nicht nur für Eigennutzer

Wer aber meint, dass die Mischung Wertanlage und Wohnvorlieben nur bei Eigennutzung gilt, der irrt. Mittlerweile gibt es im Vorsorgebereich diesen neuen Trend, wie Ulrike Siebenhofer, Leitung Wohnimmobilien Eigentum bei der ÖRAG, feststellt: »Im Moment ist auch eine leichte Tendenz zu 2-bis-4-Zimmer- Gartenwohnungen wahrzunehmen, weil sie zwar vorerst zum Vermieten, aber grundsätzlich als Vorsorge für die nächste Generation zum Selbernutzen gekauft werden.«

Hier denkt man bereits an die Kinder und Enkelkinder und die steigenden Preise, die es in Zukunft vielleicht noch schwieriger machen werden, Eigentum zu erwerben. Wertanlagen mit Weitblick und Emotionen sind eben tatsächlich das Thema. Elisabeth Rauscher von Team Rauscher aus Salzburg bestätigt diese Einschätzung: »Bei Anlagewohnungen steht oft nicht mehr nur die ­Rendite im Vordergrund. Viele Anleger, die Immobilien kaufen, sind an langfristigen und wertbeständigen Investitionen interessiert.« Und natürlich kaufen sie auch für die Kinder.

Das erweitert das Spektrum der klassischen Anlagewohnung von 2 Zimmern auch auf 3- und 4-Zimmer-Wohnungen. Besonders beliebt sind laut Elisabeth Rauscher für ­Investments derzeit Wohnungen bis zu 350.000 Euro in guten Lagen. In Toplagen dürfen sie sogar mehr kosten. Eine weitere deutliche Veränderung zeigt sich bei der Suche der Anleger nicht zuletzt infolge von Corona, meint Michael Schmidt, Geschäftsführer der 3SI Immogroup: »Wir bemerken einen klaren Trend zu Anlegerwohnungen mit mehr Freiflächen, sei es in Form von kleinen Eigengärten im Erdgeschoß oder Balkonen beziehungsweise Terrassen.«

Hier zählt die Freifläche als »Renditebringer« und zum Werterhalt. Wohneinheiten, die diese Vorzüge aufweisen, lassen sich eben leichter vermieten und im gegebenen Fall auch wieder leichter verkaufen als ein 08/15-Projekt, das keine Besonderheiten aufweist – geht auch, aber meistens nur über den Preis.

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