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Die Dokumentar­filmer Beverly und Dereck Joubert setzen sich nicht nur für Natur- und Artenschutz in Botswana ein – mit den stilvollen Great Plains Safari Lodges ist ihnen ein Coup im Luxus-Tourismus geglückt.

23 . September 2019 - By Angelika Rosam

LIVING Sie haben sich beide Afrika verschrieben – was fasziniert Sie an diesem Land, im Besonderen an Botswana?
Dereck Joubert:
Beverly und ich sind beide in Afrika geboren, das afrikanische Blut läuft durch unsere Adern. Als wir unsere Studien in unseren frühen Zwanzigern beendeten, entschieden wir uns, das wilde Afrika zu entdecken. Dort haben wir uns ineinander verliebt – und in das einzigartige Okavangodelta in Botswana. Es war die Wildheit dieses Landes, die uns auf Anhieb begeisterte, die unberührte Widerspenstigkeit, aber auch die Härte, die tägliche Reise zwischen Paradies und Ungewissheit, eine danteske Verwirrung zuerst, die letztendlich unmissverständlich klarmachte, was unter Perfektion zu ver-stehen ist.

Was genau ist hier Ihre Mission?
D. Joubert: Heutzutage ist es ziemlich einfach, die Welt zu verändern, obwohl wir in den letzten Jahren als Kultur ein paar falsche Wege gegangen sind. Wir müssen einen Weg finden, um mit der Natur wieder friedlich leben zu können. Dazu verwenden wir Filme und Vorträge, Bücher und unseren Tourismus, um aufzuzeigen, was wir als neue Weltethik in Bezug auf das Engagement und deren Regeln betrachten. Und das beginnt schließlich mit der Wert-schätzung für unser Land.

»›Botho‹ ist zu meinem Mantra geworden. Es bedeutet Respekt, Menschlichkeit, Vertrauen. Respekt ist in Botswana wie ein Pass des Verstehens, der signalisiert, dass es uns nur gemeinsam gut geht.«
Dereck Joubert über Umgangsregeln in Botswana   

https://greatplainsconservation.com/

Beverly und Dereck Joubert haben ihr Leben Afrika verschrieben. Sie setzen sich für Artenschutz ein und designen hochwertige Safari-Lodges für den Luxus-Tourismus.

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Neben Ihren Afrika-Filmen und Ihrem Wildlife-Erhaltungsprojekt Great Plains Conservation haben Sie sich entschieden, hoch­wertige Design-Camps für Luxus-Tourismus zu entwickeln. Wie kam es dazu?
D. Joubert:
Wir haben erkannt, dass wir durch unsere Filme eine Grundlage für die Wertschätzung der Natur und insbesondere der Großkatzen entwickelt haben. Wir haben viele Preise gewonnen. Dann sah ich eine direkte (aber entgegengesetzte) Korrelation zwischen der Anzahl der Auszeichnungen, die unseren Erfolg symbolisierten, und der Anzahl der großen Katzen … ihre Kurve verlief in die um­gekehrte Richtung! Also haben wir die Big Cats Initiative ins Leben gerufen, um diese Katzen zu retten, aber es war sofort klar, dass es um Raum und Einfluss gehen würde. Wir haben begonnen, Pachtverträge für wilde Gebiete aufzukaufen (heute haben wir knapp eine Million Hektar), und um das zu bezahlen, musste natürlich Tourismus her. High-End-Tourismus, weil es eine von mir entwickelte Staffelung gibt, bei der einer den ökologischen Fußabdruck und der andere das Einkommen hat. Ein kleine Gruppe an wohl­situierten Influencern, die sich über einen Besuch bei uns freuen und als Botschafter über ihre Auszeit in einem luxuriösen Camp berichten. Gleichzeitig machen unsere Gäste positive, lebensverändernde Erfahrungen im Busch, während sie auch einer großen Anzahl an lokalen Mitarbeitern Arbeit geben.

Also eine Win-win-Situation! Was sind die wesentlichen Elemente für Ihre mittlerweile zwölf Luxus-Camps, und gibt es eine Philosophie dahinter?
D.Joubert: Jedes unserer Camps erzählt in seiner Gestaltung eine Geschichte. Eine davon ist der Treffpunkt für Design und Dekoration von drei Kulturen, die wir als grundlegend für einen Ort betrachten. Für »Selinda« zum Bespiel, das erst kürzlich eröffnete, schrieb ich zuerst die Geschichte des Weges auf, den der Afrikaforscher David Livingstone dort gegangen ist, als er in der Gegend lagerte. Ich testete die Beziehung zwischen uns aus, unsere Vergangenheit mit diesem Ort, der so von Elefanten beeinflusst ist, und stellte zwei riesige Skulpturen aus Elefantenschädeln und riesigen Stoßzähnen aus Bronze beim Eingang auf.

Das Design kommt von Ihnen und Beverly?
D. Joubert: Wir haben natürlich ein paar Richtlinien, die berücksichtigt werden müssen. Aber im Grunde möchten wir, dass Indoor und Outdoor miteinander verschmelzen. Offene Wohnräume, die mit der Natur kommuni­zieren. Sie sehen in unseren Lodges viel verwittertes Holz und Stücke alter Dhaus (schmale, arabische Segelschiffe, Anm. d. Red.), die als Dekoration fungieren. Ein Camp muss einen riesigen Wow-Faktor ­vermitteln, dennoch soll man sich wie zu Hause fühlen. Unsere Gäste reagieren sehr positiv auf die weichen Ledermöbel mit Patina und die Fotos an den Wänden und auch auf den Komfort, den der Outdoor-Bereich mit sich bringt. Wenn Sie aus New York, Wien oder London kommen, ist Groß­zügigkeit im Wohnbereich ein wahrer Luxus.

»Jedes unserer Camps erzählt eine Geschichte. Wir verzichten auf Brands, suchen jedes Stück selbst aus.«
Dereck Joubert über Design im Busch

Arbeiten Sie mit speziellen Interior-Brands? 
D. Joubert: Oh nein, das wäre überhaupt kein Spaß. Wenn einmal das Design entschieden ist, kümmern wir uns selbst um das Interieur. Wir suchen jedes Stück selbst aus. In »Selinda« wollte ich eine Geschichte von Balance erzählen. Wir haben im ersten Raum mit viel Blau gearbeitet, dann mit weißer Seide. Im Essbereich stehen braune Tische im Fokus, und der Outdoor-Bereich besteht aus einer Reise durch die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft.

Wie inkludieren Sie Design und Interior, ohne dabei die Authentizität von Afrika zu verlieren?
D. Joubert: Diese »Afrika-Folklore« ist ein ziemliches Klischee. Und wir versuchen, es bei unserem Interior zu vermeiden. Die in Braun gehal­tenen Tonga-Hocker und Kuba-Tücher, die schlecht genäht sind, sind überall zu sehen und eine schlechte Entschuldigung dafür, afrikanische Looks zu finden. Wir arbeiten gerade mit einer Massai-Frauengruppe zusammen, um Perlenarbeiten zu kreieren. Wenn man traditionell bleibt und authentisch, nur etwas mutiger und größer damit umgeht, behält man trotzdem die Qualität, die erforderlich ist. Tatsächlich lautet unsere Regel: »Wenn Sie es von der Stange kaufen können, wird es wahrscheinlich bei uns nicht funktionieren.« Das gilt übrigens auch für die Kulinarik. Packerl-Essen kommt bei uns nicht in Frage. Wir servieren gesunde, frische Speisen, die optisch hübsch zubereitet und serviert werden. 

»Wir arbeiten so gut wie möglich umweltfreundlich. Es gibt keinen Beton, kein einziger Baum wird gefällt, um Zelte unterzubringen. Das Personal muss Ruhe und Stabilität vermitteln.«
Dereck Joubert über die Voraussetzungen erfolgreicher Lodges

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lodge?
D. Joubert: Eine toughe Frage: Gesundheit, Sicherheit und Komfort. Darüber hinaus gibt es nichts. Bei Great Plains ist unsere Liste sehr spe­zifisch. Wir arbeiten so gut wie möglich um­welt­freundlich. Es gibt keinen Beton, kein einziger Baum wird gefällt, um Zelte unterzubringen. Das Personal muss Ruhe und Stabilität vermitteln. Gäste untereinander müssen ihre Privatsphäre wahren können. Auch Nachhaltigkeit und Recycling sind wesentliche Elemente bei uns im Camp. Wir müssen so bauen und wirtschaften, dass wir ein Camp innerhalb von einem Monat wieder verschwinden lassen und das Land so her­stellen können, wie es vorher war.

Ist es schwer, in Afrika gute Mitarbeiter zu finden?
D. Joubert: Niemals! Wir könnten mehr gute Leute einstellen, als wir Jobs zu vergeben haben. Derzeit arbeiten 660 Leute für uns, und ich wünschte mir, noch zehnmal so viele enga­gieren zu können. Afrika braucht mehr Jobs, denn die Kreativität, die wir hier finden, ist außerordentlich.

Gibt es spezielle Regeln, die man befolgen muss, um in Botswana seinen Weg zu gehen? 
D. Joubert: Nein, eigentlich nicht. Als Bürger von Botswana lebe ich seit vielen Jahren in einem Zustand der Glückseligkeit und habe erst vor etwa zehn Jahren mein erstes Wort in Setswana gelernt. Es hat sich in vielerlei Hinsicht zu meinem Mantra entwickelt. Es lautet »Botho« und bedeutet Menschlichkeit, Respekt und Vertrauen und hat hier einen großen Stellenwert. Wenn man es einmal sagt, nicken alle um einen herum und schauen nach unten – es hat eine eindeutige Wirkung. Wir gehen hier mit allen Menschen sehr respektvoll um, sei es mit den Massai in Amboseli oder mit der Regierung in Botswana. Respekt ist hier wie ein Pass des Verstehens, der signalisiert, dass es uns nur gemeinsam gut geht.

Welche Message möchten Sie Ihren Gästen während des Aufenthalts vermitteln?
D. Joubert: Wir möchten, dass sich unsere Gäste in Afrika verlieben. Es ist eine nicht enden wollende Erfahrung von magischen Momenten. Es ist großartig, Löwen und Elefanten in der freien Wildbahn zu sehen, aber es ist noch so viel mehr. Philosophen und Dichter kamen nach Afrika, um Inspiration zu finden und über Jahrzehnte weiterzugeben. Es ist ein Land, wo Menschen Liebe, Hoffnung und Romantik finden. Wir behandeln Gäste, die erstmals in Afrika sind, wie unsere Familie, die sie letztendlich auch werden, wenn sie uns wieder besuchen und tiefer in unsere Lager eintauchen. Wir werden ein Teil einer Reise für sie, die sie für immer verändern wird.

LIVING Nr. 04/2019

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