Das sagt der Falstaff

Milch, Butter, Joghurt und Käse mit Produktionsstätte Wien Wieden – aus heutiger Sicht wirkt derlei absurd. Doch tatsächlich wurde in die 1863 gegründete Molkerei Johann Trösch bis Ende der 1980er Frischmilch aus dem Wiener Umland gekarrt, um in Hörweite des Südgürtels allerlei draus zu machen. »Alpenmilch Zentrale« steht noch heute auf der Fassade des Zweckbaus, die verkachelte Einfahrt sieht noch heute aus wie dereinst. Im ehemaligen Kesselraum befand sich schon seit Jahren ein Lokal namens »Im Hof«. Nun wurde es von Barbara Fegerl und Robert Haider, den ehemaligen Brötchenmachern des »Pastrami Baby«, übernommen und auf »Das Lokal im Hof« umgetauft. Haiders Küche trifft augenscheinlich einen breiten Geschmack, eine Klientel aus allen Altersschichten hat das industriell designte, preiswerte und besonders liebevoll geführte Lokal in Beschlag genommen. In der klaren und subtil gewürzten Fischsuppe mit Fenchel, Karotten und Dill schwimmt angesichts von € 4,90 nachgerade absurd viel Fisch. Für die Blunznfrühlingsrolle mit Bratapfelmousse, Schnittlauchsauce, Vogerlsalat und frisch gerissenem Kren würde sich sogar ein Umweg lohnen. Schweinsbackerln kommen mit Knuspergrammeln, Birnen, Brokkoli, Pastinaken und Jalapeños – die Kombi scheint absonderlich, ergibt dennoch ein stimmiges, wiewohl ordentlich peppiges Ganzes. Auch die vegetarischen Gerichte lesen sich alles andere als fade. Da-nach noch eine Mürbteig-Sauerkirschtarte mit Mandelfrangipane, Kirschenkompott und Zitrusrahm. Und am Nebentisch wird gleich der nächste Termin reserviert. Beim Wein gibt’s den gesamten Vorrat glasweise, ein kleiner Extravorrat an etwas spannenderen Bouteillen bliebe als einziger Wunsch offen.

(Alexander Bachl, Sixpack, Falstaff Magazin 03/2018)

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