Die Geschichte von Ducru Beaucaillou 0 Kommentar(e)
Die Geschichte des Guts reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Als Besitzer ist ab 1720 die Familie de Bergeron belegt. In der Zeit der Französischen Revolution ist ein gewisser François de Bergeron in der Abgeordnetenliste des Parlaments von Bordeaux zu finden, in ihm sehen die Historiker auch den damaligen Besitzer des Weinguts, dessen Wein ab etwa 1760 unter dem Namen Bergeron gehandelt wird. Aus den Jahrhunderte zurückreichenden Aufzeichnungen des Weinbrokers Abraham Lawton geht hervor, dass in jener Zeit der durchschnittliche Preis für ein Tonneau von Beaucaillou respektive Bergeron bei 483 Livre lag – also höher als jener von Beychevelle, Branaire und Langoa, aber auch deutlich niedriger als die Preise
von Gruaud, Léoville und Lagrange (damals Brane-Saint-Julien), die bei etwa 800 Livre je Tonneau lagen. Die Erstgewächse erzielten Preise von rund 1200 Livre.
Herr de Bergeron scheint sehr gute Handelsbeziehungen aufgebaut zu haben, er verkaufte seinen Wein in die Niederlande und bis nach Schweden, von wo er immer wieder Gäste empfing. Im Jahr 1792 wurde ihm von den Behörden ein Paar sehr kostspielig verzierter Pistolen abgenommen. Die Konfiskation zweier teurer Säbel unterblieb, weil Herr de Bergeron glaubhaft machen konnte, diese gehörten schwedischen Freunden. Der gute Mann hatte drei Kinder, von denen er zwei überlebte. So erbte schließlich sein Sohn, der als Pfarrer in der Nachbargemeinde Lamarque wirkte, das Anwesen. Dieser Curé verkaufte sein Erbe, das Weingut Beaucaillou, schließlich an Herrn Betrand Ducru.
Monsieur Ducru verlieh dem neu erworbenen Anwesen nicht nur seinen Namen, er machte sich auch daran, die Weingärten in einen sehr guten Zustand zu bringen und zu erweitern. Die Qualität der gewonnenen Weine konnte weiter verbessert werden, und die Reputation des Gewächses stieg stetig an. Es wird berichtet, dass auch der Schwiegervater namens Dulasson in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Handelskammer in Bordeaux einiges zur Promotion der Weine seines Schwiegersohns beigetragen hat. Angeblich ließ Dulasson sogar bei den Sitzungen der Kämmerer die sonst üblichen Wasserkaraffen durch Wein von Ducru ersetzen.
Ein Sohn, Gustave, und eine Tochter, Marie-Louise, traten die Nachfolge an, als Betrand Ducru im Mai 1829 verstarb. Marie-Louise war mit Antoine Ravez verheiratet, und es war wieder der Schwiegervater, Auguste Ravez, der in seinen Funktionen als Unterstaatssekretär und Präsident der Abgeordnetenkammer für Ducru-Beaucaillou die Werbetrommel rührte. In diesen Zeitraum fiel auch das Klassement von 1855, und die guten wirtschaftspolitischen Beziehungen der Familie trugen sicherlich dazu bei, dass das zu diesem Zeitpunkt eher als Drittgewächs angesehene Gut schließlich doch als Zweitgewächs eingestuft wurde. Im Jahre 1860 kaufte Marie-Louise den Hälfteanteil ihres Bruders, der seinerseits drei Jahre zuvor vom Cousin seiner Gattin, Léo du Luc, das Weingut Branaire erworben hatte. Sechs Jahre später endete die Ära Ducru-Ravet: Am 3. März 1866 wurde das 82 Hektar große Gut (davon waren 48 mit Reben bestockt) um die beachtliche Summe von einer Million Francs an die Gattin des aufstrebenden Weinhändlers Nathaniel Johnston, eine geborene Dassier, verkauft.
Bereits drei Jahre zuvor hatten die Johnstons ganz in der Nähe das Fünftgewächs Château Dauzac in Labarde erworben. Sie waren bereits Besitzer mehrerer kleiner Weingüter. Wichtigstes Standbein war aber der Négoce, der die tüchtigen Weinhändler irischer Abstammung mit der ganzen Welt verband. Es kamen schlechte Zeiten: Reblaus und Falscher Mehltau wurden zum Schreckgespenst der Winzer in ganz Europa, und Bordeaux war relativ früh davon betroffen. Die Johnstons hielten diese schwierigen Zeiten besser durch als andere, ihre geschäftlichen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten waren dabei besonders hilfreich. Als just mitten im Ersten Weltkrieg in den USA die Prohibition verkündet wurde, wurde es aber auch für die Johnstons eng. Obwohl auf die Qualität der selbst erzeugten Weine, allen voran des Grand Vin von Ducru-Beaucaillou, immer penibel geachtet wurde, begann das Ansehen zu schwinden. Im Jahre 1928 war es schließlich so weit: Die Johnstons trennten sich von Ducru-Beaucaillou, der Käufer hieß F. Desbarats de Burck, der ebenfalls Weinhändler in Bordeaux war. Doch auch Desbarats konnte nicht mehr Gewinn aus dem Weingut erwirtschaften als seine Vorgänger, woran unter anderem die weltweite Wirtschaftskrise ihren Anteil hatte. Ducru-Beaucaillou wurde vernachlässigt, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen, und bald darauf verstarb Herr Desbarats. Im Jahr 1941 wurde wieder ein neuer Besitzer gesucht, in diesen Zeiten kein leichtes Unterfangen.
Die Familie Borie stammt ursprünglich aus der Region Corrèze und kam um 1890 im Médoc an, wo sie ein Weinhandelsunternehmen gründete. Schon fünf Jahre später kaufte sie ihr erstes Weingut, Château Caronne-Saint-Gemme in Saint-Laurent. Francis Borie und sein älterer Bruder Marcel kauften 1929 Château Batailley, das später aufgeteilt und aus dessen Herzstück Haut-Batailley wurde. Im Jahr 1941 erwarb Francis Borie schließlich Ducru-Beaucaillou, das sich in einem recht heruntergekommenen Zustand befand. Der Sohn des Käufers, Jean-Eugène, der nach Francis’ Tod 1953 den Betrieb übernahm, entwickelte ein striktes Erneuerungsprogramm, das in jahrelanger mühsamer Arbeit umgesetzt wurde. Die Renovierungstätigkeiten in Weingarten, Keller und Château, die in den ersten zehn Jahren unternommen wurden, trugen bald Früchte: Mit der Qualität des Weines ging es steil bergauf.
Erstellungsdatum: 01.01.2010Sollten Sie noch keine Benutzerdaten haben, bitten wir Sie um eine einfache Registrierung.





