Masseto trifft Péby: Star War im Merlot-All

René GabrielDer Schweizer René Gabriel zählt zu den profiliertesten Weinkennern Europas. Mit spitzer Feder kommentiert er die humorvollen Facetten der Weinwelt

Wenn es um die tolle Rotweinsorte Merlot geht, müssen sich nicht einmal die Alte und die Neue Welt des Weines gegenüberstehen, um für heftige Diskussionen zu sorgen. Bereits das Duell Italien gegen Frankreich bietet genügend Zündstoff.

Der Film »Krieg der Sterne« von George Lucas wurde 1977 erstmals in amerikanischen Kinos ausgestrahlt. 1986 entschied sich Lodovico Antinori auf Tenuta dell’Ornellaia erstmals, einen Merlot separat abzufüllen, der dann ein Jahr später Masseto hieß. 1998 lancierte die damalige Besitzerin von Château Faugères in Saint-Émilion, Corinne Guisez, zu Ehren ihres verstorbenen Mannes Pierre Bernard den Péby Faugères.



Dies ist die Chronologie von drei verschiedenen Dingen, die im Prinzip wenig miteinander zu tun haben. Im Prinzip! Im Wesentli­chen handelt »Star Wars« vom ständig andauernden Kampf zwischen Gut und Böse. Und wenn man zwei mondiale Top-Merlots einander gegenüberstellt, dann kommt auch sehr schnell die Frage auf, wer jetzt der Gute und wer der Böse sein könnte. Dabei klang der Titel dieser legendären Degus­tation durchaus ganz friedlich: »Péby Faugères meets Masseto«.

Aufregendes Duell
Es war ein genüssliches Auf­ei­nandertreffen dieser beiden Merlot-Kontrahenten im Restaurant »Old Swiss House« in Luzern geplant. Doch ein Blick auf die Gäs­teliste zeigte, dass sehr viele bekannte Weinfreaks aus ganz Europa kampfeslustig zu dieser beeindruckenden Blindverkostung antraben würden. Spannende Diskussionen blieben nicht aus, und zum guten Schluss hatten wieder einmal ohnehin beide Parteien die ganze Wahrheit auf ihrer Seite.

Der Masseto scheint in den ers­ten zehn Jahren die Merlotfrucht wie fast kein anderer Rotwein der Welt im Bouquet und auch auf dem Gaumen zu versprühen. Doch ist die Frucht einmal weg, kommt nicht mehr viel nach, und die Starallüren verblassen schnell. So brutal diese Behauptung auch klingt: Die Jahrgänge 1998, 1999 und auch schon der 2000er leiden unter einer deutlich spürbaren ­Genuss-Agonie. Die qualitativen Schwankungen zwischen den ganz großen Massetos (2001, 2004 und 2007) und den schwierigeren Jahrgängen sind gewaltig. Und dennoch: Die Attraktivität ist ungebrochen, und der Masseto ist unter allen Top-Merlots der Welt momentan der absolute Superstar.

Der Péby Faugères ist nur in warmen und heißen Jahren mit ­einer ähnlich attraktiven Primärfrucht ausgestattet. Die klassischen Jahrgänge sind oft verschlossen und verlangen nach sehr langer Dekantierzeit oder Flaschenreife. Die schwierigen Jahrgänge sind – im Gegensatz zum toskanischen Sparringspartner – meist wunderschön und mehr als nur gefällig. Das Potenzial dieses vielleicht noch zu wenig bekannten Merlot-Stars ist beträchtlich, und ist der Wein einmal in seiner ersten Reife, verliert er das Bombige und balanciert zwischen Frucht und Terroir – etwas, das man einem reinsortigen Merlot in Saint-Émilion bisher kaum zugetraut hat. Aber die Entwicklung vom Péby 1998 und 2000 ­bestätigt diese Theorie.

Fazit: Man wäre als Weinfreund und Merlotliebhaber durchaus gut beraten, von beiden Weinen etwas einzulagern. Sollte sich der attraktive Primär-Charme des Masseto einmal tatsächlich verflüchtigt haben, dann kann man getrost auf den Péby Faugères zurückgreifen, der ganz offensichtlich das Zeug zu einem veritablen Langstreckenläufer hat.

von René Gabriel

aus Falstaff Nr. 01/2012

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