Rotweinsieger 2009 0 Kommentar(e)

John Nittnaus, Reinhold Krutzler,Alle FotosIm Restaurant »Vestibül« im Wiener Burgtheater trafen einander die besten Rotwein-Winzer Österreichs: John Nittnaus, Reinhold Krutzler, René Pöckl und Paul Achs (v. l. n. r.)

Diese Veranstaltung hat Tradition und Gewicht: Bereits zum dreißigsten Mal prämierte Falstaff die besten Rotweine Österreichs. Im Dezember 2009 pilgerten 1500 Weinfreunde in die Wiener Hofburg, um im imperialen Rahmen die edelsten Tropfen zu verkosten. Höhepunkt der Gala war die Kür der vier Falstaff-Sieger.

Seit dem Gründungsjahr 1980 bewertet das Falstaff-Verkostungspanel die Leistungen der österreichischen Rotweinwinzer. Was als kleine Degustation mit ein paar Dutzend Weinen begonnen hat, ist heute zu einem wahren Verkostungsmarathon mit mehr als 1500 Weinen angewachsen, die in zehn unterschiedlichen Kategorien von über 500 Weingütern eingereicht werden. Etwa drei Monate dauert das mehrstufige Ausleseverfahren, bis die Jury ihre Bewertungsarbeit abgeschlossen hat und der Falstaff-Rotweinguide in Druck gehen kann. Erstmals war der prunkvolle Festsaal der Wiener Hofburg Schauplatz der Publikumsverkostung, bei der diesmal nicht weniger als 91 Spitzenbetriebe an die 250 Rotweine vorstellten. Punkt 17 Uhr schritt man zur feierlichen Verleihung der Preise, wobei traditionell der »Falstaff-Zweigelt Grand Prix« den Beginn machte. Das ist die einzige Kategorie, die sich dem Thema Jungwein widmet, diesmal war es der Jahrgang 2008. Die Gewinner in dieser Gruppe waren vielen bereits bekannt, weil sie schon in der letzten Falstaff-Ausgabe präsentiert worden waren. Den Siegerwein stellte mit dem Zweigelt Rubin Carnuntum 2008 Johannes Trapl aus Stixneusiedl, gefolgt von Josef Wurzinger aus Tadten mit dem Blauen Zweigelt Heideboden und Walter Glatzer aus Göttlesbrunn, der nicht zum ersten Mal mit seinem Zweigelt Dornenvogel auf dem Siegertreppchen stand.

Als zweite Gruppe folgte eine der wichtigsten der gesamten Prämierung, jene der Reserve-Weine, die diesmal entsprechend dem neuen Sponsor »Donau Versicherung – Falstaff Reserve Trophy 2009« heißt. Vorstandsmitglied Mag. Johanna Stefan war persönlich auf die Bühne gekommen, um die Trophäe zu überreichen. Diese vor sieben Jahren ins Leben gerufene Auszeichnung gewinnt immer mehr an Bedeutung, da sich die Zahl der Weine, die in dieser Kategorie ins Rennen gehen, ständig erhöht. Diesmal waren die Reserve-Weine des hervorragenden Jahrgangs 2006 und älter auf dem Prüfstand. Grundbedingung für einen Startplatz war, dass diese nach dem Monat Oktober 2008 auf den Markt kamen und so bei der letztjährigen Probe noch nicht eingereicht werden konnten. Es handelt sich also um überdurchschnittlich lange und gut gereifte Weine, die in der Regel die Sortimentsspitze des jeweiligen Betriebes darstellen. Die Reserve-Kategorie ist sowohl für sortenreine Weine als auch für Cuvées offen. Die erzeugte Mindestmenge muss 1200 Flaschen betragen, damit der Titel »Reserve-Trophy« gewonnen werden kann. Es handelt sich dabei um Spitzenweine, die zum ersten Mal bei der Rotweinprämierung teilnehmen, denn auch hier gilt das Prinzip, dass jeder Wein nur ein einziges Mal zur Bewertung eingereicht werden kann. Die Zahl der eingereichten Weine hat diesmal mit 162 Produkten – doppelt so viele wie bisher – alle Rekorde gebrochen, und die Topweine lassen keine Wünsche offen.

Der Sieger heißt Hans »John« Nittnaus, der Golser Rotweinstar bekam die Trophy für seine superlative Cuvée Comondor 2006 überreicht. Mit ihm auf dem Siegertreppchen standen dann gleich drei reinsortige Blaufränkisch-Weine: Auf Platz zwei landete mit Ernst Triebaumer aus Rust ein nicht minder legendärer Winzer mit seinem Flaggschiffwein, dem Blaufränkisch Mariental 2006; den dritten Platz teilen sich punktegleich Andi Kollwentz aus Großhöflein mit dem Blaufränkisch Point und der Golser Claus Preisinger mit seinem Blaufränkisch Bühl. Diese Kategorie war also heiß umkämpft und hat mittlerweile ihre Daseinsberechtigung mehr als bewiesen.

Erwartungsgemäß höchste Qualität bot das Finale der Blaufränkisch-Kategorie des Jahrgangs 2007, das schließlich das Weingut Krutzler aus dem Südburgenland für sich entscheiden konnte. Der ganz ausgezeichnete Perwolff 2007 war nicht nur der beste Wein in dieser Sortenkategorie, sondern nach Abschluss sämtlicher Gruppen aus 2007 auch der höchstbewertete Wein der Probe. Damit konnte sich Reinhold Krutzler über den Titel des »Falstaff-Siegers 2009« freuen. Platz zwei bei den Blaufränkisch erreichte Paul Achs aus Gols, der das Kunststück zustande brachte, mit gleich drei Weinen ins Finale der besten dreißig einzuziehen. Schlussendlich war es die Lage Spiegel, die ihm nicht nur die Silbermedaille in dieser Kategorie sicherte, sondern dank der enorm hohen Punktezahl auch den »3. Falstaff-Sieger« bedeutete. Platz drei ging an den Falstaff-Sieger des Vorjahres, Albert Gesellmann aus Deutschkreutz, dessen Blaufränkisch hochberc die Jury wieder sehr beeindruckte.

Die mit Abstand größte Einzelgruppe ist seit Jahren jene der aus mehreren Rebsorten komponierten Cuvées. Aus dem Jahrgang 2007 waren nicht weniger als 344 verschiedene Weine eingereicht worden. Auch hier waren es letzten Endes die bekannten Routiniers, die sich die Sache ausmachten, was angesichts eines durchaus herausfordernden Verlaufs des Winzerjahres 2007 auch nicht wirklich verwunderlich ist. Platz eins ging an das Weingut Pöckl aus Mönchhof. René Pöckl war mit seinem fest strukturierten und mit tragfähigen Tanninen ausgestatteten Rêve de Jeunesse einmal mehr nicht zu schlagen, seine Bewertung bedeutete auch gleichzeitig den »2. Falstaff-Sieger« nach der Gesamtpunkteliste. Auf Rang zwei bei den Cuvées platzierte sich Andi Kollwentz mit dem wunderbar ausgewogenen Steinzeiler; das Weingut Hans Igler brachte seinen eleganten Ab Ericio auf Platz drei ins Ziel dieser Königsdisziplin.

In der Gruppe Merlot erreichte das Weingut Hans Nehrer aus Eisenstadt mit der Reserve 2007 den ersten Rang. Auf Platz zwei landete Michael Moosbrugger vom Weingut Schloss Gobelsburg im Kamptal mit seinem Merlot Privatkeller 2007. Rang drei ging wieder nach Eisenstadt, an Esterházy Wein mit dem Merlot aus der Lage Schneiderteil.

Die Kategorie der zweiten Bordeaux-Sorte, Cabernet Sauvignon, brachte einen durchaus überraschenden Sieg für einen Niederösterreicher: Anton Bauer aus Feuersbrunn am Wagram belegt Platz eins vor Andi Kollwentz, der mit dieser Sorte seinen dritten Stockerlplatz im Jahrgang 2007 fixierte, was für die unglaublichen Leistungskons­tanz dieses Betriebes spricht. Auch der dritte Platz bei den Cabernets ging nach Niederösterreich, und zwar nach Carnuntum, an Franz »Taffi« Taferner für seinen Tribun 2007.

Die Finalverkostung der Sorte Syrah brachte ebenfalls einen Sieger aus Niederösterreich. Franz Netzl aus Göttlesbrunn gewann mit seinem Syrah Schüttenberg diese Kategorie und unterstrich damit, dass Carnuntum ein sehr geeigneter Standort für die Rhônesorte sein kann. Auch Platz drei ging mit dem Weingut Artner aus Höflein nach Carnuntum, die Silbermedaille errang der Syrah-Pionier aus Gols, das Weingut Leitner.

Ebenfalls aus Gols kommt der Sieger der ­großen Gruppe des Blauen Zweigelts 2007: Helmuth Renner überzeugte die Jury mit seinem finessenreichen Zweigelt Golser Altenberg. Auf Platz zwei rangiert der Schwarz Rot von Hans »The Butcher« Schwarz aus Andau, und den dritten Platz belegt das Traditionsweingut Jurtschitsch aus Langenlois mit dem Zweigelt Tanzer Reserve 2007.

Auf hohem Niveau präsentierten sich die Finalisten in der Gruppe der Pinot Noirs, in der schließlich Gerhard Pittnauer aus Gols mit seinem Pinot Noir aus der Lage Baumgarten seinen Pannobile-Kollegen Gernot Heinrich knapp hinter sich ließ. René Pöckl aus Mönchhof bewies mit dem dritten Rang auch im Jahr­gang 2007 sein gutes Händchen für diese diffizile Sorte.

Viel Freude bereitete dem Verkostungspanel die Auswahl der besten St. Laurents. Der Sortensieger heißt Weingut Schloss Gobelsburg mit dem St. Laurent Haidegrund 2007 und zeigt auf, dass man hier nicht ausschließlich auf die hervorragenden Grünen Veltliner und Rieslinge zu achten hat. Auch Platz zwei geht nach Niederösterreich, an das Weingut R. & A. Pfaffl aus Stetten für den St. Laurent Altenberg. Den dritte Rang belegt Josef Umathum aus Frauenkirchen mit seinem St. Laurent Vom Stein.

 

Der Jahrgang 2007

Die Jury, die diesmal aus Anne Thysell, Willi Balanjuk, KR Ing. Heinz Pecenka, KR Helmut Touzimsky, Dr. Helmut Romé und Peter Moser bestand, zog ein sehr erfreuliches Resümee, denn das durchschnittliche Qualitätsniveau zeigte sich aus Sicht der Experten hoch und homogen. Der Jahrgang 2007 erreicht zwar in der Gesamtbetrachtung nicht den exzellenten Vorgänger 2006, jedoch gibt es Kategorien – speziell Blaufränkisch, Merlot oder St. Laurent, bei denen die Weine zwar in gewisser Weise anders, aber qualitativ gleichwertig ausgefallen sind. Auch wenn diesmal an der absoluten Spitze eindeutig die Arrivierten das Sagen hatten, so sind die Leistungen vieler junger Betriebe nicht zu übersehen, die mit viel Engagement nach oben streben. Konkurrenz ist auch eine Motivation, die Qualität weiter zu steigern, und so gut der österreichische Rotwein heute auch schon sein mag, es gibt noch durchaus Raum für eine weitere Steigerung. Auch wenn sich der eine oder andere Betrieb bereits über sehr anerkennende Worte und hohe Punkte in den internationalen Medien freuen durfte: Auf den Exportmärkten – sieht man von Österreich-affinen Nachbarländern wie Deutschland und der Schweiz einmal ab – spielt der heimische Rotwein keine Rolle. Hier liegen noch ein weiter Weg und viel Arbeit vor den Produzenten, aber auch eine gewisse Chance, dem österreichischen Rotwein ein noch klareres Profil zu verleihen.

Die Ergebnisse aller Kategorien und viele weitere nützliche Informationen sind im »Falstaff-Rotweinguide Österreich 2009/2010« zusammengefasst, der im Dezember 2009 als Taschenbuch erschienen ist und im Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich ist.

von Peter Moser

Verkostungsnotizen zu Österreichs beste Rotweine

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