Herd-Rochaden: Neues von Pucher, Wukonigg und Kobald

Neues von der heimischen KüchenszeneNeues von der heimischen Küchenszene/Foto: Stock Food

Pucher wurde grob seiner Küche in Murau beraubt, im Palais Kinsky warten ab Juni solide Küche und eine Terrassenbar...

Ziemlich überfallsartig verlief die Übergabe des »Theatercafés« im ­Theater an der Wien. Leo Doppler zog sich vom Naschmarkt zurück, das Geschäft wurde aufgrund des dortigen Überangebots an Lokalen immer schwieriger. Er übergab das Lokal an Maurizio d’Atri, dessen Familie ­bereits zwei weitere italienische Restaurants in Wien (»Osteria d’Atri«, »Il Melograno«) ­betreibt. D’Atri änderte den Namen auf ­»Ristorante al teatro« und bietet statt Snacks nun unkomplizierte Italoklassiker. Während der Sommerpause im Theater an der Wien wird Luxusauto-Importeur Jürgen Keusch im hinteren ­Bereich des Lokals, in der einstigen ­Zigarrenlounge, eine »Ferrari-Lounge« ­einbauen. 

Erich Pucher auf Herdsuche
Eines der besten Restaurants der Steiermark ist nicht mehr. Erich Pucher, Küchenchef im Restaurant »Lerchers Panorama« im Hotel Lercher in Murau, erhielt von seinem Patron zunächst ein SMS mit der Aufforderung, seinen Urlaub zu verlängern, und drei Tage später ohne Angabe von Gründen die Kündigung. Im Hotel Lercher gibt es fortan nur mehr Wirtshausküche, bei Pucher hinterlässt die Vorgangsweise einen bitteren Nachgeschmack. Der 56-jährige Spitzenkoch sondiert gerade die Lage, ein Top-Angebot aus Val d’Isère schlug er aus familiären Gründen aus.

Wukonigg & Co. im Palais Kinsky
»Freyung 4. Bar. Restaurant. Terrasse« ist der programmatische Name der zum x-ten Mal neu übernommenen Gastronomie im Hof des Palais Kinsky. Die Adresse im Titel erspart den künftigen Gästen die Suche nach den etwas versteckt gelegenen Örtlichkeiten. Betreiber ist ein Trio bestehend aus dem »Café Engländer«-Wirt Chris­tian Wukonigg, Daniela Knor, die mit
ihm die Bar »1010« betreibt, und dem Event­manager Stefan Svoboda. Aus dem ehemaligen »Wirtshaus im Palais Kinsky« wird ein Ganztagslokal mit klassischer Wiener Küche, interessanten Salaten und originellen Snacks. »Nicht abgehoben, sondern einfach gut«, definiert Wukonigg den an sich selbst gestellten Anspruch. Die ehemalige »Marqués Bar« im Hof links ­mutiert zu einer Tagesbar mit Wein, Cocktails, Snacks und DJ. Hier darf auch geraucht werden. Die Terrasse wird im Stil einer Bühne errichtet, das gesamte Ensemble recht farbig ausstaffiert. Bislang konnte noch kein Konzept langfristig an diesem Platz reüssieren, dennoch hält Wukonigg die ­Location angesichts zahlreicher Ministerien und Büros in der Umgebung für »sehr gut«. ­Eröffnung ist am 15. Juni.

Kobald beim Häupl
Unruhe herrschte in den letzten Monaten in der Küche des Hotel Häupl in Seewalchen am Attersee. Alexander Mayer verließ das Haus Ende 2011 nach Unstimmigkeiten mit dem Eigentümer über die Küchenlinie. Für ein paar Monate übernahm der Souschef das Zepter. Nun werkt hier Klaus Kobald, zuletzt Betreiber der »Villa Schratt« in Bad Ischl und zuvor des »Taborturms« in Steyr. Sein »Signature Dish«, souffliertes Ei mit Flusskrebserln und Petersiliennage, steht bereits auf der Karte des Gourmetmenüs. Jörg Wörther ist weiterhin als kulinarischer Mentor des Hauses tätig und steht bei den regelmäßigen »Wörther Days« selbst am Herd.
Nach der Schließung ihres Spitzenrestaurants »Schindlhaus« im Tiroler Söll im März wegen Differenzen mit dem Vermieter stehen die ­Gebrüder Christian und Markus Winkler kurz vor einem neuen Abschluss. Zwei Projekte sind in der Endauswahl, je nachdem wird noch im ­Sommer oder aber zum Start der Wintersaison wieder gekocht. Mehr demnächst.

Seven Heaven sperrte zu
Das Anfang 2011 in Wien-Margareten gestartete Erlebnisgastronomie-Projekt »Seven Heaven«, bei dem der Gast neben unaufregendem Essen, Lichteffekten, Animation und esoterischen Floskeln auch noch »eine Reise ins ­eigene Ich« erleben sollte, schloss nicht ganz ­unüberraschend mangels Nachfrage seine Pforten. Neuerdings findet sich auf der Homepage ein Hinweis, dass man gen Osten übersiedelt ist. Seit April wird der Zahl sieben im ungarischen ­Sopron gehuldigt.

Text von Alexander Bachl
aus Falstaff Nr. 4/2012

Erstellungsdatum: 27.05.2012

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